Chapter 1: The Boy the Fog Would Not Release

Der erste Geruch des Morgens war immer derselbe: nasses Holz und die bittere Kälte des Nebels, der sich wie eine zweite Haut über Nebelkamm gelegt hatte.

Ich wachte auf, bevor die Dunkelheit sich entschieden hatte, ob sie bleiben oder weichen wollte. Das war eine alte Gewohnheit, keine tugendhafte – wer früher auf war als die anderen, begegnete niemanden auf dem Weg zur Wasserstelle. Wer früher auf war, gehörte für kurze Zeit dem Dorf, ohne dass das Dorf ihn sah.

Die Hütte, die man mir nach dem Tod der alten Hebamme Soraja überlassen hatte – nicht aus Güte, sondern weil niemand sonst in ihr schlafen wollte –, war klein genug, dass ich die vier Wände mit ausgestreckten Armen berühren konnte. Das Strohdach ließ an drei Stellen den Nebel durch. Ich hatte aufgehört, die Lecks zu stopfen. Es gefiel mir, wie das graue Licht durch die Risse fiel, als wären es Gedanken, die sich keinen Einlass erbeten hatten.

Ich kniete vor der Feuerstelle und legte Holz zurecht mit der Sorgfalt eines Menschen, der wenige Dinge besitzt und keines davon verschwenden darf. Die Scheite waren dünn, nicht weil ich arm war – obwohl ich das war –, sondern weil ein kleines Feuer mir genug war. Ich hatte gelernt, mit Wenigkeit auszukommen. Nicht durch Weisheit. Durch Notwendigkeit, die sich mit der Zeit in etwas Ähnlichem eingerichtet hatte.

Die Flamme fing im zweiten Versuch. Sie war blau an der Wurzel und wurde nach oben hin orange, und ich beobachtete diesen Übergang mit der Aufmerksamkeit, die ich nichts sonst schenken durfte. Die Flamme urteilte nicht. Sie brannte einfach. Das schien mir, an den meisten Morgen, das Klügste, was man von einem Wesen sagen konnte.

Tief in mir, in jenem Bereich der Brust, den ich weder benennen noch berühren konnte, regte sich etwas. Es war immer da – ein Glühen, das nicht ganz zu mir gehörte und doch untrennbar von mir war, wie ein Schatten, der sich weigerte, der Sonne zu folgen. Der Neunflammige, nannten ihn die Dorfältesten. Mit gesenkten Stimmen, mit abgewandten Gesichtern. Als könnte ein Name selbst in Brand geraten.

Ich hatte gelernt, das Glühen zu ignorieren, so wie man das Rauschen eines fernen Flusses ignoriert. Es war da. Es würde bleiben. Mehr wollte ich nicht denken.

Das Dorf erwachte in Stufen, wie ein Tier, das sich nicht sicher ist, ob die Gefahr vorüber ist.

Zuerst das Kratzen von Schaufeln – Bauer Herent, der seinen Weg zum Stall freilegte, obwohl kein Schnee gefallen war; eine Gewohnheit, stärker als ihr Grund. Dann das hohle Bellen eines Hundes irgendwo jenseits der Getreideschuppen. Dann die Gerüche: Hafergrütze, Holzrauch, das schwere feuchte Leinen, das die Frauen vor den Türen ausschüttelten.

Ich trat in das Dorf wie jeden Morgen – vorsichtig, die Augen auf den Boden gerichtet, einen Pfad nehmend, der zwischen den Hauptwegen lag wie ein Satz, den niemand ausgesprochen haben wollte. Die Straßen von Nebelkamm hatten keine Namen, aber die Schweigen, die mir entgegenkamen, hatten alle dasselbe Gesicht. Eine Frau, die Wasser aus dem Brunnen zog, zog ihren Eimer etwas schneller, als ich vorbeikam. Ein alter Mann, der im Türrahmen stand und seine Pfeife stopfte, drehte sich um. Nicht feindselig. Nur weg.

Das hatte ich als Kind nicht verstanden. Ich hatte geglaubt, es läge an mir – an einer Grobheit meiner Bewegungen, an einem Fehler meiner Erscheinung. Später verstand ich, dass es nicht an mir lag, sondern an dem, was sie in mir sahen oder zu sehen glaubten. Sie sahen den Neunflammigen. Und weil sie ihn sahen, sahen sie mich nicht.

Ich war sechzehn Jahre alt geworden mit dieser Erkenntnis. Sie hatte mir nicht das Herz gebrochen, weil das Herz sich nach dem dritten oder vierten Mal nicht mehr in derselben Weise bricht. Es faltet sich stattdessen um den Schmerz herum und trägt ihn, wie ein Baum eine eingewachsene Klinge trägt: indem er um sie herum wächst, ohne sie jemals loszuwerden.

Den Weg zur Wasserstelle am östlichen Rand des Dorfes kannte ich so gut, dass ich ihn ohne Augen hätte gehen können. Dreizehn Schritte am Zaun des Kräutergartens entlang, links an der abgestorbenen Esche vorbei, deren Stamm jemand mit einem roten Tuch umwickelt hatte – für welches Gebet, ich wusste es nicht –, dann sieben Schritte bergab über Steine, die nach Moos rochen.

Das Wasser war kalt genug, um die Finger taub zu machen. Ich wusch mir Gesicht und Hände mit langsamen Bewegungen und ließ das Wasser über meine Handgelenke laufen, länger als nötig. Es gab etwas Reinigendes daran, das nichts mit dem Körper zu tun hatte.

Der Stein traf mich an der Schulter, nicht am Kopf, was entweder schlechte Technik war oder eine zögernde Gnade.

Ich wandte mich nicht sofort um. Ich ließ das Wasser von meinen Fingern tropfen, beobachtete, wie es in den Boden sickerte, und dann schaute ich auf.

Das Kind war vielleicht acht Jahre alt. Es stand am oberen Rand der Böschung, die Arme steif an den Seiten, mit jenem Gesichtsausdruck, in dem Mut und Angst so eng beieinander standen, dass man nicht sagen konnte, welches von beiden ihn hierhergebracht hatte. Hinter ihm, kaum sichtbar im Nebel, stand ein größeres Kind – ein Junge von vielleicht zwölf Jahren, der das Kleinere angestiftet hatte und sich nun die Hände an den Hosen abwischte, als hätte er selbst nichts damit zu tun.

Gefäßverfluchter, hatte das Kind gerufen. Ich hatte das Wort schon in vielen Variationen gehört. Es überraschte mich nicht mehr. Es machte mich auch nicht wütend, was ich selbst manchmal seltsam fand – dieses Ausbleiben der Wut, wie ein Ton, der nicht erklingt, obwohl man auf die Saite gedrückt hat.

Ich schaute auf den Stein, der vor mir im feuchten Gras lag. Er war grau, oval, von der Größe einer Faust, und er hatte ein kleines Moos an einer Seite, das wie eine grüne Wunde aussah. Ich betrachtete ihn eine Weile. Dann hob ich ihn auf, nicht mit einer drohenden Geste, sondern einfach so, und legte ihn neben den anderen Steinen ab, die das Ufer säumten. Als gehörte er dahin. Als wäre das der einzig sinnvolle Platz für ihn.

Als ich wieder aufschaute, war das Kind verschwunden. Auch das größere. Nur der Nebel blieb, der sich über die Stelle zog, als hätte er gewartet, bis die Szene zu Ende war.

Ich wischte mir die Hände an meiner Hose ab und ging zurück.

Der Tag verging auf seine übliche Weise: ohne Ereignis und ohne Ruhe, weil Einsamkeit keine Ruhe ist, sondern etwas anderes – ein Zustand, der wie Stille klingt, aber aus Abwesenheit besteht statt aus Fülle.

Ich hatte keine Aufgabe an diesem Tag. Das Dorf gab mir gelegentlich Arbeit – das Tragen schwerer Säcke, das Flicken von Zäunen, die kein anderer berühren wollte –, aber nicht immer und nicht regelmäßig. Ich hatte ein paar Kräuter getrocknet, die ich am Waldrand gesammelt hatte, und sie gegen Mehl eingetauscht bei der Mühle, deren Besitzer mich ansah wie ein Händler, der genau weiß, dass er zu wenig bietet, und darauf hofft, dass der andere es auch weiß und trotzdem schweigt. Ich schwieg. Das Mehl reichte für drei Tage, wenn ich nicht zu viel kochte.

Am Nachmittag saß ich am Rand des kleinen Gemüsegartens, den ich hinter der Hütte angelegt hatte, und beobachtete eine Raupe, die sich an einem Kohlblatt vorwärtsbewegte. Sie machte das mit einer Ernsthaftigkeit, die ich bewunderte. Kein Zögern, keine Frage nach dem Sinn. Nur diese drängende, stille Bewegung nach vorne.

Der Neunflammige regte sich in meiner Brust – nicht stark, nur so, wie ein Schläfer sich im Traum bewegt. Manchmal fragte ich mich, ob er dasselbe sah wie ich. Ob er überhaupt sah. Ob er träumte.

Dann schüttelte ich den Gedanken ab, wie man Wasser von den Händen schüttelt.

Meister Oran stand in meinem Türrahmen, als die Abenddämmerung das Dorf in jenes schmutzige Grau tauchte, das weder Tag noch Nacht ist.

Ich hatte ihn nicht kommen hören. Er war einfach da, ein Mann von unbestimmbarem Alter – die Hände eines Alten, das Rückgrat eines Jüngeren, das Gesicht von jemandem, der lange aufgehört hatte, sich um Kategorien zu scheren. Er trug einen dunkelgrauen Umhang, der aussah, als wäre er aus demselben Material gefertigt wie der Nebel, der ihn umgab.

Ich hatte ihn schon gesehen. Jeder in Nebelkamm hatte Meister Oran schon gesehen – er tauchte auf, verschwand, tauchte wieder auf, wie eine Tide, die niemand für sich beanspruchen kann. Man sagte, er habe einmal für das Dorf gekämpft, in einem Krieg, dessen Einzelheiten die Überlebenden nicht mochten zu beschreiben. Man sagte andere Dinge auch, aber der Ton, in dem man ihn beschrieb, war ein anderer als der, mit dem man über mich sprach. Respekt, nicht Furcht. Oder eine Mischung, in der der Respekt obenauf schwamm.

Er sah mich an, und seine Augen hatten die ruhige Schärfe von Menschen, die nicht damit beschäftigt sind, sich selbst zu beobachten.

Dann sagte er – und ich weiß noch genau, wie die Stille vor dem Wort sich anfühlte, wie die Luft vor einem Regentropfen sich verdichtet:

„Die Zeit bewegt sich."

Nichts weiter. Zwei Wörter, die keine Erklärung beinhalteten und trotzdem alles veränderten, so wie zwei Noten, richtig gesetzt, eine Melodie erzeugen, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

Er wartete nicht auf eine Antwort. Er trat einen Schritt zurück und ließ mich in meiner Hütte stehen mit dem Gefühl, dass dieser Moment bereits entschieden hatte, was der nächste bringen würde.

Noch in derselben Nacht kamen die Wachen des Dorfrats.

Es waren drei – jung, unbequem in ihren Uniformen, mit dem Gesicht von Menschen, die eine Aufgabe ausführen und daran festhalten, dass die Aufgabe kein Urteil über sie enthält. Sie trugen ein gesiegeltes Dokument, das einen Stempel trug, den ich nicht kannte, und einen Namen, den ich kannte: meinen eigenen.

Der Älteste der drei – ein großer Mann mit roten Wangen und dem Haar einer Frau, das er unter seinem Helm zusammengebunden hatte – verlas den Text mit der monotonen Präzision von jemandem, der weiß, dass der Empfänger kein Mitspracherecht hat und der deshalb die Förmlichkeit umso sorgfältiger wahrt.

Ich würde am folgenden Morgen einem Team zugeteilt. Der Name des Teams wurde nicht genannt. Das Ziel der Mission wurde nicht genannt. Die Dauer wurde nicht genannt. Was genannt wurde: dass es keine Anfrage war.

Ich nahm das Dokument entgegen, und der große Mann sah mich kurz an – nicht mit Feindseligkeit, aber mit jener flüchtigen Neugier, die ein Mensch zeigt, wenn er etwas betrachtet, das er weder versteht noch zu verstehen beabsichtigt –, und dann gingen sie, und das Geräusch ihrer Schritte verlor sich im Nebel wie alles andere.

Ich stand lange in der offenen Tür. Das Dokument lag in meiner Hand, aber ich las es nicht noch einmal. Ich schaute stattdessen in das Dorf, das mich nie gewollt hatte und mich nun ausgesandt hatte; in den Nebel, der sich zwischen den Hütten wiegte wie ein Lebewesen, das schon lange vor uns da gewesen war und nach uns bleiben würde; in das Dunkel dahinter, das keine Form hatte und deshalb jede Form annehmen konnte.

Der Neunflammige brannte leise in meiner Brust. Kein Aufbegehren. Keine Freude. Nur dieses beständige, uralte Brennen, das mich von jeher begleitet hatte und das ich noch immer nicht verstand.

Ich faltete das Dokument und legte es auf den Tisch.

Dann kniete ich vor der Feuerstelle, legte das letzte Stück Holz nach, und schaute in die Flamme, bis sie nichts weiter war als Licht – und bis Licht nichts weiter war als die einfachste Antwort auf die Frage, die das Dunkel immer stellt.

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Chapter 1: The Boy the Fog Would Not Release — Der Weg des stillen Feuers | GenNovel