Chapter 1: The Pact at the World's Edge

Die Kerze brannte seit sieben Stunden.

Heinrich wusste dies nicht, weil er auf sie geachtet hatte, sondern weil er jede Kerze in diesem Studierzimmer kannte wie ein Chirurg seine Instrumente — ihren Docht, ihr Wachs, den genauen Rhythmus ihres Verbrauchs. Es war das einzige Wissen, das ihm noch blieb. Das einzige, das ihn nicht verlassen hatte.

Auf dem Schreibtisch vor ihm lagen die Beweise seiner Erschöpfung wie die Schlachtfelder einer verlorenen Kampagne: aufgeschlagene Bände der Theologie, deren Ränder so dicht mit seinen Anmerkungen bedeckt waren, dass der ursprüngliche Text kaum noch zu erkennen war. Juristische Kommentare. Medizinische Abhandlungen. Ein astronomischer Atlas, dessen Sterne er alle benannt, berechnet und für unzureichend befunden hatte. Alchimistische Traktate in fünf Sprachen. Er hatte sie alle gelesen. Er hatte sie alle verstanden. Und er hatte in keinem von ihnen das gefunden, was er gesucht hatte.

Was hatte er gesucht?

Heinrich stand vom Schreibtisch auf. Seine Knie, die eines Mannes von zweiundfünfzig Jahren, protestierten mit der stillen Beharrlichkeit alter Möbel. Er trat ans Fenster und legte die Stirn gegen das kalte Glas. Draußen lag Weimar im Jahr 1830 tief im Winterschlaf, die Straßen von einer Stille bedeckt, die er früher als Frieden gedeutet hätte. Jetzt erkannte er sie als das, was sie war: Gleichgültigkeit. Die Stadt schlief. Die Welt schlief. Das Universum schlief, und er, Heinrich Faust, Doktor der Theologie, der Jurisprudenz, der Medizin und der Philosophie — Ritter des Ordens des heiligen Wissens, wenn es einen solchen gegeben hätte — stand wach in einer Kammer voller toter Bücher und wartete.

Worauf?

Er kannte die Antwort nicht mehr. Das war das Entsetzliche. Er hatte einmal gewusst, wonach er griff — nach dem Unfassbaren, nach dem Augenblick, in dem Wissen sich in Erkenntnis verwandelte, in dem die Summe aller Wahrheiten sich zu etwas Lebendigem zusammenfügte. Er hatte dafür sein Leben gegeben. Nein — er hatte für diesen Augenblick sein Leben verbraucht, was etwas Grundlegend Anderes war.

Und er hatte nichts bekommen.

Sein Atem beschlug das Glas. Er betrachtete die Schlieren, die das Kondensat auf der Oberfläche hinterließ, und dachte an die Kondensationstheorien des Herrn von Humboldt, und dann dachte er, dass es einen Augenblick geben musste, in dem Denken aufhörte, Trost zu sein. In dem die Fähigkeit, jedes Phänomen in seine Bestandteile zu zerlegen, nicht mehr als Gabe erschien, sondern als Fluch.

Er war an diesem Augenblick angekommen.

Hinter ihm bewegte sich etwas.

Heinrich drehte sich nicht um. Es war nicht Tapferkeit, die ihn davon abhielt — es war Erschöpfung. Wenn der Tod gekommen war, um ihn zu holen, dann mochte der Tod sich die Mühe machen, ihn anzusprechen. Denn aufzustehen und zur Tür zu eilen hatte er keine Kraft mehr.

Aber es war keine Tür, die sich geöffnet hatte.

Die Luft im Studierzimmer — er nahm es zunächst mit dem Hinterkopf wahr, mit jenem archaischen Sinn, der älter ist als Sprache — hatte eine andere Konsistenz angenommen. Als wäre die Temperatur nicht gesunken, sondern als hätte die Temperatur aufgehört, die zuständige Kategorie zu sein. Als wäre Wärme und Kälte plötzlich eine Vereinfachung für etwas Komplexeres.

Jetzt drehte er sich um.

Das Studierzimmer war dasselbe. Die Bücher. Der Schreibtisch. Die sieben Kerzen, von denen eine nun erloschen war — er registrierte es beiläufig. Die vertraute Unordnung des Wissens, das er nie zur Weisheit hatte verdichten können.

Und inmitten davon: eine Abwesenheit.

Das war das einzige Wort, das ihm einfiel. Es war nicht so, dass jemand im Zimmer stand. Es war vielmehr so, als hätte der Raum an einer bestimmten Stelle aufgehört, Raum zu sein, und hätte etwas anderem Platz gemacht. Eine Lücke in der Realität, die die Form eines Anwesenden angenommen hatte, ohne jemals zu behaupten, eine Person zu sein.

Dann sprach es.

Nicht mit Worten, zunächst. Sondern mit dem Gefühl von Worten — als würde Bedeutung direkt in den Verstand eingeschrieben, ohne den Umweg über Schall und Trommelfell. Heinrich spürte seinen Magen sich zusammenziehen. Das hier war kein Halluzination. Halluzinationen kannte er — er hatte sich in seinen dunkelsten Stunden mit entsprechenden chemischen Experimenten befasst und die Ergebnisse methodisch notiert. Das hier war das Gegenteil einer Halluzination. Das war etwas, das realer war als alles, was er je als real bezeichnet hatte.

Du hast dich erschöpft an Grenzen, die du selbst gezogen hast.

Heinrichs Hand — er bemerkte es erst, nachdem es geschehen war — umklammerte die Rückenlehne des Schreibtischstuhls. Nicht aus Angst. Aus dem Impuls, sich zu verankern.

Er sagte, mit einer Stimme, die ruhiger klang als er erwartet hatte: „Wer bist du?"

Ich bin das, was außerhalb deiner Karten liegt. Das, wo deine Kategorien enden. Das, was du in jedem Buch gesucht und in keinem gefunden hast, weil kein Buch in dieser Welt je bis an seinen Rand geschrieben wurde.

„Das ist keine Antwort."

Nein. Aber deine Fragen haben bisher auch keine echten Antworten erhalten, und das hat dich nicht gestoppt.

Heinrich ließ die Stuhllehne los. Eine seltsame Regung — er erkannte sie nach einem Moment als Interesse — stieg in ihm auf. Echtes Interesse. Das erste seit... er konnte sich nicht erinnern, wann er es zuletzt gespürt hatte. Es war wie ein Muskel, der wieder aktiviert wurde, schmerzend und fremd.

Er trat einen Schritt auf die Abwesenheit zu. „Was willst du?"

Beobachten. Was du entscheidest, wenn es keine Entscheidung mehr zu geben scheint. Was ein Bewusstsein tut, wenn es alle Grenzen seines Käfigs kartiert hat und noch immer atmet.

„Und dafür störst du meine Nacht?"

Deine Nacht. Die Stimme trug keine Ironie, und doch war das Wort wie ein Spiegel — du hast keine Nächte mehr, Heinrich Faust. Du hast Stunden der Finsternis, die du mit Lesen füllst, um nicht zu fühlen, dass du am Ende deines Weges stehst.

Er schwieg.

Es war das erste Mal seit Jahren, dass ihn jemand — etwas — beim Schweigen nicht drängte, es zu füllen.

Die Abwesenheit im Zimmer verdichtete sich nicht, wurde nicht konkreter, aber sie artete sich anders aus — als würde sie die Geduld von Epochen demonstrieren, als wäre sie bereit, hier zu stehen, bis die Wände des Studierzimmers zu Staub wurden, ohne je ungeduldig zu werden. Diese Geduld war das Beunruhigendste von allem. Menschen wurden ungeduldig. Selbst Gott, so hatte das Alte Testament zu suggerieren gewagt, ließ sich gelegentlich von seiner Schöpfung aus der Fassung bringen. Aber das hier — dieses Ding, dieses Bewusstsein, das keinen besseren Namen hatte als die Stille selbst — wartete mit der Neutralität von Geologie.

„Was bietest du an?" fragte Heinrich schließlich.

Das, was kein Buch enthält. Das Wissen, das außerhalb der Grenzen dieser Welt liegt — die Mechanik des Kosmos selbst, die Energien, die Realitäten zusammenhalten und auseinandertreiben, die Muster, nach denen du dein ganzes Leben gegriffen hast, ohne zu wissen, dass sie existieren. Das Verstehen, nach dem du hungrig bist. Nicht in abstrakten Metaphern. In konkreter, greifbarer Wahrheit.

Heinrichs Puls, den er für gewöhnlich mit der gleichmütigen Distanz eines Arztes wahrnahm, beschleunigte sich.

„Und der Preis?"

Die Zeit, die du hast.

„Ich bin zweiundfünfzig Jahre alt. Ich habe keine Geduld mehr für—"

Nicht die Zeit, die du gelebt hast. Die Zeit, die dir noch verbleibt. Deine verbleibenden Jahre werden die Währung sein, mit der du zahlst — jedes Mal, wenn du das Wissen, das ich dir gebe, wirklich einsetzt, fließt ein Teil dieser Zeit in die Schuld zurück. Du wirst nicht sterben. Aber du wirst nicht ewig leben. Und du wirst in einer anderen Realität leben. Weit von hier. Weit von allem, was du kennst.

Er hätte lachen sollen. Er hätte fragen sollen, ob er schlief, ob er trank, ob er an jenem Grenzbereich stand, jenseits dessen Vernunft in Wahnsinn übergeht. Er kannte diesen Grenzbereich theoretisch sehr gut — er hatte ein ganzes Kapitel seiner unveröffentlichten Abhandlung über Geisteskrankheiten damit verbracht, ihn zu kartieren.

Stattdessen trat er zum Schreibtisch, schob einen Kommentar des Aristoteles zur Seite, und griff zur Feder.

„Zeig mir den Vertrag."

Was folgte, war kein Papier. Es war — er suchte nach Sprache und fand keine — eine Manifestation von Bedingungen, direkt in sein Bewusstsein eingeschrieben, so klar und unzweideutig wie eine mathematische Herleitung. Er verstand jeden Punkt. Er erkannte die Fallen, weil er gut genug war, um sie zu erkennen: die Unschärfe in der Definition von „einsetzen", die Breite des Ermessens bei der Berechnung der Zeitschuld, die fundamentale Asymmetrie zwischen einem Wesen, das in geologischen Epochen dachte, und einem Menschen, der in Jahren zählte.

Er unterschrieb trotzdem.

Nicht aus Leichtfertigkeit. Nicht aus Verzweiflung, obwohl Verzweiflung dort war, tief und ehrlich. Sondern weil er, zum ersten Mal seit dem Ende seiner Jugend, ein Kribbeln spürte, das er nur als Neugier beschreiben konnte. Echte, lebendige, brennende Neugier. Das Gefühl, dass die Welt — eine andere Welt — größer war, als er gedacht hatte. Größer als seine Bücher. Größer als Weimar. Größer als das Wissen, das ihn erschöpft hatte.

Die Feder bewegte sich über eine Fläche, die keine war.

Und dann —

Dunkelheit.

Er fiel nicht. Fallen hätte eine Richtung impliziert. Es war eher so, als würde die Kategorie „Ort" kurz außer Kraft gesetzt, und dann wieder eingeschaltet, aber an einer vollkommen anderen Koordinate.

Das erste, was er verstand, war der Lärm.

Nicht Lärm wie Stadtlärm, den er kannte — das Rumpeln von Kutschenrädern auf Kopfsteinpflaster, das Geschrei von Händlern, das gedämpfte Gespräch nächtlicher Passanten. Das hier war etwas anderes in seiner Schichtung und Frequenz. Ein brüllendes Kontinuum aus Metallgeräuschen und menschlichen Stimmen und einem tiefen, konstanten Donnern, das er zunächst für Artillerie hielt und dann, mit rasender Verstandeskorrektur, als irgendetwas Mechanisches identifizierte — Motoren, ja, er kannte das Wort aus den visionären Abhandlungen von Herrn Trevithick, aber was er kannte und was er jetzt hörte, standen zueinander im Verhältnis einer Kerze zur Sonne.

Das zweite war der Geruch.

Beißend. Metallisch. Etwas Verbranntes, nicht Holz, sondern ein chemischer Verbrennungsprozess, den er nicht einordnen konnte. Darunter: feuchter Stein, Abwasser, gekochtes Fleisch, und — seltsam — Zucker. Zucker auf der Straße, irgendwo.

Das dritte war der Schmerz.

Er lag auf Pflastersteinen — nein, nicht Pflastersteinen, auf etwas Härterem und Glatterem — und sein Rücken meldete dies mit aller wissenschaftlichen Präzision. Er öffnete die Augen.

Der Himmel über ihm war nicht schwarz, wie er erwartet hatte. Er war orangefarben. Ein orangefarbenes Dunkel, durch das geometrische Lichtquellen stachen — nicht Fackeln, nicht Kerzen, etwas vollkommen anderes, etwas, das mit gleichmäßiger, unmenschlicher Geduld leuchtete. Und dahinter: Gebäude. Türme aus Glas und Stahl und Beton, aufgetürmt zu einer Höhe, die ihm den Atem nahm, nicht metaphorisch, sondern physisch — er atmete tatsächlich für einen Moment nicht, weil sein Verstand gerade damit beschäftigt war, die Unmöglichkeit dieser Konstruktionen zu verarbeiten.

Er setzte sich auf. Langsam. Seine Hände fanden die Oberfläche unter ihm — glatt, grau, mit regelmäßigen Fugen. Eine Art Pflaster, aber von einer Präzision, die kein Steinmetz seiner Zeit hätte erreichen können.

Er sah sich um.

Eine Gasse. Eng, von hohen Gebäuden flankiert, am Ende offen zu einer Straße, auf der — er blinzelte — Fahrzeuge vorbeirasten. Keine Pferde. Keine. Die Fahrzeuge bewegten sich mit einer Geschwindigkeit und Selbstständigkeit, die er zunächst für Automaten hielt und dann, fast im selben Atemzug, für etwas Motorisiertes erkannte. Benzin. Er kannte den Begriff. Er hatte die Theorie. Er hatte sich nie vorstellen können, was er bedeutete, wenn er wirklich realisiert wurde, auf dieser Skala, mit dieser Masse, mit dieser Selbstverständlichkeit.

Seine Sprache, bemerkte er mit einem Teil seines Verstandes, der wie ein unabhängiges Laboratorium funktionierte, begann sich zu verändern. Es war kein Prozess, den er steuerte — er wurde gesteuert. Wie wenn man eine Sprache nicht lernt, sondern injiziert bekommt. Englisch. Die Wörter schälten sich aus dem Rauschen um ihn herum — jetzt, plötzlich, fingen sie an, Bedeutung zu haben. Fragmentarisch zunächst. Dann mehr.

He needs to— Sie sagten hinter ihm. Und er verstand es.

Er stand auf.

Seine Kleidung war ein Problem, das er kurz registrierte und dann zurückstellte: das Gewand eines deutschen Gelehrten des frühen neunzehnten Jahrhunderts war in dieser Gasse, in dieser Stadt, offenkundig deplatziert. Er würde damit leben müssen, vorläufig.

Er trat ans Ende der Gasse und betrachtete die Straße.

Und dann sah er das, was kein anderer Mensch auf dieser Straße sah.

Die Energie.

Es war — er rang nach Sprache, nach Konzept, nach irgendetwas Verwendbarem in seinen verbrauchten akademischen Kategorien — es war wie Licht, aber kein Licht. Wie Strömungen, aber in keinem Medium, das er kannte. Fäden und Flüsse von etwas, das durch alles hindurchging, durch die Gebäude, durch die Fahrzeuge, durch die Menschen, die an ihm vorbeigingen ohne ihn zu sehen, weil er offenkundig einer jener seltsamen Menschen war, die man auf New Yorker Straßen um drei Uhr morgens ignorierte. Die Energie pulsierte. Sie hatte — er erkannte es mit einem Anflug von etwas wie Ehrfurcht — eine Architektur. Eine Logik. Eine Grammatik.

Er konnte sie lesen.

Nicht vollständig. Nicht sofort. Aber die Grundmuster — die Art, wie Energie durch einen städtischen Raum floss, wo sie sich staute, wo sie sich beschleunigte — das erschloss sich ihm mit einer Geschwindigkeit, die seine Hände zittern ließ.

Er stand dort und sah. Nur sah.

Bis das Fahrzeug um die Ecke kam.

Es war keine Schuld des Fahrers — das rekonstruierte er später, in der leidenschaftslosen Art, in der er stets Ereignisse rekonstruierte. Er stand zu weit in der Straße, weil er keine Straße sah, sondern ein System kosmischer Energiemuster, und das Fahrzeug — ein gelbes, Taxi, schoss der Begriff aus dem frisch injizierten Englisch hervor — hatte keine Möglichkeit mehr zu bremsen.

Es war reine Instinkt. Weniger als eine Sekunde.

Sein Verstand griff nach dem Muster der Energie. Nicht bewusst — es war wie Reflexion, wie das Zurückfahren der Hand von einer Kerzenflamme. Er griff nach dem Fluss, der durch den Boden unter seinen Füßen lief, und kanalisierte ihn — ein winziges, unvollkommenes Ding, kaum eine Handbewegung — und schleuderte sich selbst einen Meter zur Seite.

Das Fahrzeug raste vorbei. Der Fahrer schrie etwas auf Englisch, das er als Beleidigung erkannte.

Heinrich lehnte gegen die Wand.

Und dann spürte er es.

Es war kein Schmerz. Es war — schlimmer als Schmerz. Es war ein Verlust. Ein Verschwinden. Wie wenn jemand eine Seite aus einem Buch reißt, und man spürt nicht die Seite, sondern die Lücke, die sie hinterlässt. Ein Teil von ihm — ein Jahr, erkannte er mit der betäubten Präzision eines Mannes, der versteht, was er gerade verloren hat, während er es verliert — ein Jahr seines verbleibenden Lebens war verschwunden. Aufgelöst wie Reif an einem Fensterglas im Morgengrauen. Lautlos. Vollständig. Unwiederbringlich.

Er hielt die Hand vor sein Gesicht. Die Knöchel waren ein wenig mehr ausgeprägt als zuvor. Oder bild er sich das ein? Er war kein Mann, der sich Dinge einbildete.

Die Autos rasten weiter. Die Stadt schrie und brodelte und leuchtete in ihrem unmenschlichen Orange. Niemand hatte ihn gesehen. Niemand hatte den kaum wahrnehmbaren Lichtblitz bemerkt, den seine instinktive Energieableitung erzeugt hatte. Die Welt ging weiter, wie sie immer weiterging — gleichgültig, geschäftig, vollkommen desinteressiert an einem deutschen Gelehrten aus einer toten Epoche, der gerade in einer Gasse in Manhattan stand und feststellte, dass er soeben gelernt hatte, was ein Jahr seines Lebens bedeutete.

Nicht sehr viel. Und gleichzeitig alles.

Heinrich ließ die Hand sinken.

Er sah hinauf. Die Türme stachen in den orangefarbenen Himmel. Irgendwo über ihm — er spürte es, eine neue Sinnesebene, roh und ungeübt wie ein eben geborenes Tier — irgendwo über ihm bewegten sich Muster kosmischer Energie von einer Komplexität und Schönheit, die seine ganze bisherige Bibliothek wie eine Kinderzeichnung erscheinen ließ.

Und trotz allem — trotz der Kälte, trotz der Desorientierung, trotz des verlorenen Jahres, trotz der Tatsache, dass er keine Unterkunft, kein Geld, keine Vergangenheit und keine Zukunft in dieser Welt besaß — spürte er zum ersten Mal seit länger als er sich erinnern konnte etwas, das er nur als das Gegenteil von Erschöpfung beschreiben konnte.

Er wollte verstehen.

Nicht weil er musste. Nicht weil es das Einzige war, was er konnte. Sondern weil das da oben — diese Architekturen aus Licht und Kraft und kosmischem Gesetz — ihn lockte wie der Ozean den ersten Menschen lockt, der am Ufer steht und erkennt, dass das Wasser kein Ende hat.

Er richtete seinen Kragen. Strich seinen Mantel glatt. Zog den kühlen Nachtwind durch die Nase, und roch Zucker und Benzin und Verheißung.

„Gut," sagte er, auf Englisch, zu niemand und zur Stadt und zu sich selbst. „Dann fangen wir an."

Die Stadt antwortete nicht.

Aber die Energiemuster über ihm pulsierten einmal, kurz, wie das Blinzeln eines sehr großen, sehr alten Auges.

Like this novel?

Create your own AI-powered novel for free

Get Started Free
Chapter 1: The Pact at the World's Edge — Der Sternengelehrte: Ein Faustischer Pakt mit dem Marvel-Universum | GenNovel