Chapter 1: The Return to Königsfurt

Die Kutsche rollte in den Innenhof des Palastes, als die Glocken der Sieben Türme die dritte Nachmittagsstunde ausschlugen, und Aldric von Aldenstein bemerkte, mit der stillen Zufriedenheit eines Mannes, der die Dinge gerne pünktlich vorfindet, dass die Glocken in diesem Jahr wieder übereinstimmten. Vergangenen Herbst, bei seiner letzten Rückkehr aus den Ostprovinzen, hatte der zweite Turm dem dritten um fast einen halben Schlag nachgehinkt — ein Versäumnis, das er dem Hofmarschall schriftlich mitgeteilt hatte, mit jenem Ton höflicher Unabweisbarkeit, den er in drei Jahrzehnten königlichen Dienstes perfektioniert hatte. Dass die Glocken nun wieder im Einklang schwangen, schien ihm ein kleines, aber nicht bedeutungsloses Zeichen: Die Dinge ließen sich in Ordnung bringen, wenn man die Bereitschaft aufbrachte, sie ernstzunehmen.

Er stieg aus der Kutsche, ehe der Lakai den Tritt ganz heruntergelassen hatte.

Der Innenhof des Palastes von Königsfurt präsentierte sich in der frühherbstlichen Nachmittagssonne mit jener gepflegten Würde, die Aldric seit seiner Jugend vertraut war und die er, ohne es je in so bürgerliche Begriffe zu fassen, liebte: die Bogengänge aus blassem Kalkstein, in deren Schatten die Wachen standen; die Fahnen der sieben Großhäuser, die im Wind des Stadtberges träge Bewegung vollführten; der Brunnen in der Mitte des Hofes, aus dem das Wasser in gleichmäßigem Bogen fiel. Königsfurt war die schönste Stadt Vestharas, das wusste er — es war keine sentimentale Überzeugung, sondern eine Tatsachenfeststellung, gegen die er keine Einwände erhoben hätte. Schönheit und Ordnung waren für Aldric von Aldenstein nahezu synonyme Begriffe.

Er war siebenundfünfzig Jahre alt und sah, wie man ihm versicherte, jünger aus. Seine Haltung war jene eines Mannes, der sich entschieden hatte, dem Alter keine Zugeständnisse zu machen, und dem das Alter seinerseits noch keine erzwungen hatte: der Rücken gerade, die Schultern breit, das Haar an den Schläfen grau wie Wintereifen, aber dicht. In seiner Jugend hatte man ihn schön genannt; jetzt nannte man ihn imposant, was er für eine ehrlichere Einschätzung hielt.

Der Zeremonienmeister eilte mit dem Ausdruck eines Mannes auf ihn zu, der seit einiger Zeit gewartet hatte und dies nicht erwähnen wollte.

„Mein Herr von Aldenstein." Er verbeugte sich, die Hände vor der Brust gefaltet, in jenem Winkel, der die Erste Hand des Königs in die Hierarchie des Hofzeremoniells einordnete: tiefer als der Gruß an einen Herzog, flacher als der Gruß an ein Mitglied des königlichen Hauses. „Der König erwartet Euch zur Abendstunde. Die Gemächer in der Südwing sind vorbereitet."

„Der König ist wohlauf?"

Eine kurze Pause, kaum merklich. „Seine Majestät lässt nach."

Aldric nickte. Er wusste das. Er hatte die Berichte gelesen, die regelmäßig aus Königsfurt zu ihm nach Steinmark geschickt worden waren, während er drei Jahre lang die Rebellion der Ostlords niedergedrückt hatte — Berichte, die mit diplomatischer Sorgfalt zwischen dem Weglassen und dem Mitteilen balancierten und die er dennoch zu entschlüsseln gelernt hatte. König Rupert II. war dreiundsiebzig, trank zu viel und hatte in der letzten Zeit die Ratssitzungen so unregelmäßig besucht, dass der Rat begonnen hatte, ohne ihn zu tagen. Dies war nicht neu. Was neu war — was Aldric in den Berichten als leise Veränderung im Ton wahrgenommen hatte, nicht in den Fakten, sondern in der Art, wie sie angeordnet wurden — war schwerer zu benennen. Er beschloss, es heute Abend selbst zu beurteilen.

Die Gemächer in der Südwing rochen nach frischem Wachs und dem leicht harzigen Duft der Kaminanzündung, und als Aldric die Tür öffnete, fand er seinen Sohn Roderick am Fenster stehend vor, die Arme vor der Brust verschränkt, den Blick auf den Hof gerichtet.

Roderick wandte sich um, und in diesem Moment sahen sich Vater und Sohn zum ersten Mal seit dreiundzwanzig Monaten, und beide vollzogen den gleichen kurzen inneren Abgleich: dass der andere älter aussah, als er ihn erinnert hatte, und dass sie dies nicht sagen würden.

„Vater." Roderick trat vor und umarmte ihn — eine Umarmung, die etwas länger dauerte, als strenge Aldensteiner Konvention erfordert hätte, und die Aldric mit einer Klopfbewegung auf den Rücken seines Sohnes erwiderte, die Zuneigung ausdrückte und gleichzeitig die Dauer der Umarmung moderierte.

„Du siehst gut aus," sagte Aldric.

„Du auch." Roderick trat zurück und musterte ihn mit einem Blick, der sowohl Erleichterung als auch etwas enthielt, das Aldric als Ungeduld identifizierte und das er für ein beständiges Merkmal seines ältesten Sohnes hielt — jene Art von unterdrückter Energie, die einen wartenden Mann umgibt, einen Mann, der sich für bereit erklärt hat und nicht versteht, warum das Warten weitergeht. Roderick war dreißig, breitschultrig, mit Aldriks eigenen dunklen Augen und dem Kiefer seiner Mutter, und er hatte in den vergangenen Jahren die nördlichen Provinzen mit einer Kompetenz verwaltet, die Aldric ehrlich anerkannte, verbunden mit einer Selbstgefälligkeit, die er als produktiv zu ignorieren gelernt hatte.

„Wie war Steinmark?"

„Erfolgreich und langwierig," sagte Aldric, „in der Reihenfolge, in der alle Verwaltungsarbeit stattfindet." Er ließ sich von einem Diener den Reisemantel abnehmen. „Die Ostlords haben eine Einigung unterzeichnet, die ihren Stolz schont und der Krone ihr Recht sichert. Lord Hertwick wird im Winter nach Königsfurt kommen und dem König persönlich huldigen."

„Ich hatte gehört, dass Hertwick bis zuletzt auf bewaffnetem Widerstand bestanden hat."

„Er hatte bestanden. Er hat aufgehört zu bestehen." Aldric setzte sich an den Tisch und akzeptierte den Becher Wein, den ihm ein Diener einschenkte. „Männer wie Hertwick erfordern keine Stärke. Sie erfordern Ausdauer und die Bereitschaft, ihnen das Gesicht zu wahren, während man ihnen die Wahl nimmt."

Roderick betrachtete ihn einen Moment. In seinem Gesicht arbeitete etwas — eine Frage, die er abwog, ein Kommentar, den er zurückhielt. „Der Rat wird froh sein, dich zurückzuhaben."

„Wie ist die Stimmung im Rat?"

„Angespannt." Roderick trat wieder ans Fenster. Unten im Hof fuhr ein Wagen mit Hoflieferungen durch das Tor, und der Wachsoldat überprüfte das Siegel am Ladegut mit der mechanischen Sorgfalt eines Mannes, der nie erlebt hat, dass irgendetwas Unregelmäßiges passiert, und es deshalb auch nicht erwartet. „Lord Calvern und Lord Piern haben sich im letzten Monat zweimal bei Ratssitzungen öffentlich gestritten. Über Getreidezölle, angeblich. Ser Edwick fehlt."

Aldric hob den Blick. „Ser Edwick ist gestorben?"

„Vor sechs Wochen. Plötzlich. Ein Herzanfall, sagt der Palastmedikus." Roderick sprach ohne besondere Betonung, und genau diese Betonungslosigkeit ließ Aldric für eine Sekunde innehalten. „Er war einundsechzig und bei guter Gesundheit. Die Beerdigung war klein."

„Ich habe keinen Bericht erhalten."

„Nein," sagte Roderick. „Das habe ich auch bemerkt."

Die beiden Männer schwiegen einen Moment in dem Raum, in dem das Kaminfeuer knisterte und der Herbstwind gegen die Scheiben drückte, und Aldric dachte an Ser Edwick — einen stämmigen, trockenen Mann aus altem südlichem Adel, der seit zwanzig Jahren die Funktion des Ersten Lordboten bekleidet und dabei die Qualität entwickelt hatte, stets weniger zu wissen als er wusste, und genau so viel davon mitzuteilen, wie es die Situation erforderte. Es war keine unehrliche Qualität gewesen; es war die Qualität eines Hofmannes, der überlebt hatte. Aldric empfand keine sonderliche Zuneigung für ihn rückwirkend, aber er notierte in dem Teil seines Geistes, der Dinge zur späteren Bearbeitung aufbewahrte, die Tatsache von Ser Edwicks Tod und die Tatsache des fehlenden Berichtes als ein zusammenhängendes, wenn auch noch nicht deutliches Muster.

„Ich werde morgen früh nach den Unterlagen sehen," sagte er schließlich.

„Natürlich." Roderick wandte sich vom Fenster ab und lächelte — das kurze, korrekte Lächeln eines Mannes, der weiß, dass sein Vater morgen früh nach den Unterlagen sehen wird, und der auch weiß, dass dies, in der Sprache seines Vaters, der Abschluss des Gesprächsthemas bedeutet. „Sanna ist in der Bibliothek. Sie wollte dich sehen, sobald du angekommen bist."

Aldric stand auf.

Die Bibliothek des Palastes befand sich im ältesten Teil des Gebäudes, in einem Raum mit Gewölbedecke und Regalen aus dunklem Holz, die bis an die Balken reichten. Hier rochen die Dinge anders als im Rest des Palastes — nach altem Pergament, nach Staub, nach dem spezifischen Parfüm langer Abwesenheit von frischer Luft, das Aldric seit seiner Jugend mit ernsthafter geistiger Beschäftigung verband. Er hatte diese Bibliothek als junger Mann benutzt, als er noch bei Hofe lernte, und er empfand ihre Schwelle mit jenem schwach sentimentalen Impuls, den er sich gestattete, wenn niemand zuschautt.

Sanna saß an einem der langen Tische, ein Buch vor sich aufgeschlagen, das sie, wie er beim Näherkommen sah, nicht gelesen hatte. Ihr Finger ruhte auf einer Seite, und ihr Blick war auf einen Punkt gerichtet, der sich irgendwo zwischen dem Buch und dem Ende der Welt befand.

Sie war zwanzig Jahre alt und hatte die Augen ihrer Mutter — ein helles Graublau, das im Lampenlicht ins Grüne tendierte — und etwas an der Art, wie sie den Kopf hielt, das Aldric stets als Aufmerksamkeit identifiziert hatte, obwohl er hätte zugeben müssen, wenn er gefragt worden wäre, dass er nicht immer gewusst hatte, worauf diese Aufmerksamkeit gerichtet war. Als Kind hatte Sanna die Qualität besessen, in einem Raum voller Menschen so still zu werden, dass man vergaß, sie zu suchen, und dann plötzlich eine Frage zu stellen, die zeigte, dass sie alles gehört hatte. Es war eine Eigenschaft, die er in einem Sohn nützlich gefunden hätte, und die er in einer Tochter mit der milden Besorgnis eines Mannes betrachtete, der die Welt so nimmt, wie sie ist.

„Sanna."

Sie blickte auf, und ihr Gesicht veränderte sich — eine kurze, echte Öffnung, Freude, bevor die gewohnte Aufmerksamkeit zurückkehrte. Sie stand auf und kam zu ihm, und er umarmte sie kurz und hielt sie dann auf Armeslänge, wie er es immer getan hatte.

„Du bist dünn geworden," sagte er.

„Der Hof ist kein guter Ort zum Essen," sagte sie, und es klang nach einem Witz, aber er registrierte, ohne weiter darüber nachzudenken, dass ihre Hände, als er sie losließ, für einen Moment an seinen Ärmeln hielten.

„Wie geht es dir? Wie war dein Herbst?"

„Lehrreich." Sie setzte sich wieder, und er setzte sich ihr gegenüber, und sie sprachen eine Weile über die kleinen Ereignisse des Hoflebens, die er verpasst hatte — ein Turnier, das wegen des Regens abgebrochen worden war; eine Hochzeit unter den niederen Hofbeamten, bei der angeblich etwas Unangemessenes passiert war; ein neues Theaterstück, das die Hofkritiker als provozierend bezeichnet hatten. Sanna erzählte diese Dinge mit der leichten, informativen Präzision eines Menschen, der gelernt hat, Informationen zu übermitteln, ohne ihren eigenen Kommentar als Kommentar kenntlich zu machen, und Aldric hörte zu und nickte und empfand die Wärme eines Mannes, der nach Hause zurückgekehrt ist und findet, dass die Dinge in seiner Abwesenheit ihren geordneten Gang gegangen sind.

Was er nicht wahrnahm — oder was er wahrnahm und in jene undifferenzierte Kategorie einordnete, die er „Sanna ist manchmal schwer zu lesen" nannte —, war, dass seine Tochter ihn mit einer Aufmerksamkeit beobachtete, die weniger Freude als Bewertung enthielt. Sie registrierte die Art, wie er sich in dem Sessel settelte, wie er den Wein hielt, wie sein Blick zur Tür ging, als draußen auf dem Gang Schritte zu hören waren. Sie registrierte die Selbstsicherheit in seiner Haltung, die altvertraute Selbstsicherheit, und etwas in ihr — etwas, das in den vergangenen Wochen gelernt hatte, bestimmte Dinge zu sehen und sie von dem zu trennen, was sie sehen wollte — schloss sich leise zusammen wie eine Hand um einen Stein.

Sie wollte ihm etwas sagen. Sie wusste nicht, wie.

„Brandan wartet auf dich," sagte sie stattdessen. „Er hat heute fast den ganzen Tag geschrieben."

Das Zimmer, das Brandan bewohnte, lag im Erdgeschoss des Südflügels, mit einer breiten Tür, durch die der Rollstuhl passieren konnte, und einem Fenster, das auf den Kräutergarten hinausging. Es war ein angenehmes Zimmer — Aldric hatte selbst darauf bestanden, dass es angenehm wurde, als es klar gewesen war, dass Brandan keine Treppe mehr steigen würde —, aber es hatte stets etwas von einem Zimmer, das gebaut worden war, um eine schwierige Tatsache so elegant wie möglich unterzubringen.

Brandan war zwölf Jahre alt und hatte im vergangenen Herbst aufgehört zu gehen.

Der Sturz vom Turm war schnell gewesen — Sekunden, die niemand hatte verhindern können, und niemand hatte erklären können, nicht vollständig, obwohl die Untersuchung, die Aldric angeordnet hatte, mit der Schlussfolgerung endete, dass ein loses Geländer an einer nicht regelmäßig kontrollierten Treppe die Ursache gewesen war. Aldric hatte danach dafür gesorgt, dass alle Geländer im Aldenstein-Anwesen überprüft wurden. Er hatte dies als das Vernünftige identifiziert, was in einem gegebenen Moment getan werden konnte, und es war das Vernünftige gewesen, und er hatte sich erlaubt, damit Frieden zu schließen. Was er weniger gut verstand und weniger regelmäßig betrachtete, war, was der Sturz aus dem Inneren eines zwölfjährigen Jungen gemacht hatte — aus dem heiteren, redseligen Kind, das er vor den Jahren im Osten gekannt hatte.

Brandan saß jetzt in seinem Rollstuhl am Schreibtisch und blickte auf, als sein Vater eintrat, und sein Gesicht trug den Ausdruck eines Menschen, der gerade aus sehr großer Entfernung zurückgekehrt ist. Die Tinte an seinen Fingern war frisch; auf dem Tisch vor ihm lagen mehrere beschriebene Bogen Papier, die er, ohne Aufhebens zu machen, mit einem anderen Bogen bedeckte, als er seinen Vater sah.

„Vater."

Aldric trat vor und legte ihm die Hand auf die Schulter. Er bemerkte, dass Brandan dünner war, als er ihn erinnert hatte — aber Brandan war immer dünn gewesen, war immer klein gewesen für sein Alter, hatte stets diesen Knabenwuchs gehabt, der ihn jünger erscheinen ließ, als er war. Seine Augen allerdings wirkten nicht jung. Sie hatten eine Dunkelheit angenommen, die Aldric zu verorten versuchte und die er, mangels eines besseren Wortes, als Nachdenklichkeit einordnete.

„Wie geht es dir?"

„Gut," sagte Brandan. Dann, nach einem Moment: „Ich habe geschrieben."

„Sanna hat es mir gesagt. Was hast du geschrieben?"

Eine kurze Pause. „Gedanken." Er hielt den Blick auf seinen Vater gerichtet, und in diesem Blick war etwas — eine Art von Aufmerksamkeit, die von Brandan ausging statt auf ihn gerichtet zu sein, als ob der Junge ihn mustere, bewerte, gegen etwas messe, das Aldric nicht sehen konnte. „Wie war die Reise?"

„Lang und angenehm, am Ende." Aldric setzte sich auf den Stuhl neben dem Schreibtisch, den ein Diener stets bereitstellte für Besuche. „Bist du mit deinen Studien zufrieden? Der Maester schreibt, du machst Fortschritte in der Geschichtskunde."

„Der Maester," sagte Brandan gleichmäßig, „schreibt, was er für angemessen hält."

Aldric betrachtete ihn. Etwas in der Formulierung hatte eine kleine, kaum merkliche Schärfe, die er an seinem jüngsten Sohn nicht gewohnt war. Aber Brandan lächelte jetzt — das Lächeln, das er für seinen Vater hatte, warm und ein wenig zurückgehalten —, und Aldric entschied, dass er Dinge in den Satz hineingehört hatte, die nicht da gewesen waren.

„Ich freue mich, wieder hier zu sein," sagte Aldric.

„Ich freue mich, dass du hier bist," sagte Brandan, und es war die Wahrheit, und es war auch etwas anderes gleichzeitig — eine Wahrheit, die eine andere, schwerere Wahrheit in sich trug wie ein Stein unter Wasser. Aber Aldric hörte die erste Wahrheit und war befriedigt.

Er verabschiedete sich kurz darauf, mit dem Versprechen, am nächsten Morgen länger zu sprechen, und als er die Tür schloss, saß Brandan wieder ganz still in seinem Stuhl. Die Hand, die über den beschriebenen Bogen lag, hob sich nicht. Die Glocken der Sieben Türme schlugen die vierte Stunde, übereinstimmend, und das Kräutergarten-Fenster zeichnete ein langes goldenes Rechteck auf den Boden des Zimmers.

Draußen auf dem Gang ordnete Aldric von Aldenstein seine Gedanken in der Art eines Mannes, der ein Haus von Räumen abgeht und in jedem die Türen hinter sich schließt: Roderick — solide, nützlich, ein wenig ungeduldig, er würde sich schon fügen. Sanna — aufgeweckt, sie würde eine gute Partie machen, wenn er sich wieder darum kümmern konnte. Brandan — der Junge brauchte Luft, brauchte vielleicht einen anderen Maester, es war alles in Ordnung.

Er dachte an die Unterlagen, die morgen früh auf ihn warteten. Er dachte an Ser Edwick und die fehlenden Berichte. Er dachte an das Gespräch mit dem König heute Abend und an die Art, wie er das Thema einleiten würde — ruhig, sachlich, mit der Geste eines Mannes, der keine Anklage erhebt, sondern nur sicherstellt, dass der König die Tatsachen kennt.

Er hatte das Gefühl, das er stets hatte, wenn er nach langer Abwesenheit zurückkehrte: das Gefühl eines Mannes, der die Lage bewertet und sie für handhabbar befunden hat.

Im Innenhof unten sang ein Stallknecht leise vor sich hin, während er die Pferde der Ankömmlingskutsche versorgte. In der Bibliothek hatte Sanna das Buch zugeklappt und saß jetzt mit den Händen im Schoß in einer Stille, die aussah wie Nachdenken und war wie Warten. Und in seinem Zimmer im Erdgeschoss schob Brandan den anderen Bogen zur Seite und betrachtete das, was er geschrieben hatte — Worte, Zeilen, Fragmente von Bildern, die er in der vergangenen Nacht gesehen hatte und die er noch nicht verstand, die aber die Qualität hatten, die er inzwischen mit dem Unterschied zwischen einem schlechten Traum und etwas anderem assoziierte: dass er sich, wenn er aufwachte, nicht weniger, sondern mehr sicher war, dass sie wahr gewesen waren.

Die Abendsonne legte sich flach und golden über Königsfurt, und die Stadt glänzte in ihr wie ein sehr schönes und sehr geduldiges Ding.

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