Der erste Schnee des neuen Jahres fiel auf Grauenfels, als Roward von Steinmark in dem Zimmer saß, das einmal das Arbeitszimmer seines Vaters gewesen war und das er seit der Rückkehr aus Eisenfen noch nicht vollständig in Besitz genommen hatte. Der Schreibtisch stand noch so, wie Eddard ihn verlassen hatte: die Federhalter in der Tonflasche nach Länge geordnet, das Löschsand-Gefäß mit dem angebrochenen Deckel, den der alte Mann nie hatte reparieren lassen, der Stapel leerer Pergamente am linken Rand, ausgerichtet mit der Sorgfalt dessen, der weiß, daß er eines Tages zurückkommen wird. Roward hatte nichts verschoben. Er sagte sich, daß er keine Zeit gehabt hatte. Er wußte, daß das nicht der Grund war.
Auf dem Schreibtisch lagen jetzt drei Briefe von Daenis Valdoriel, oder genauer: drei Briefe, die in ihrem Namen von einem Sekretär verfaßt worden waren, dessen Stil die souveräne Abwesenheit aller Entschuldigung atemberaubend präzise nachahmte. Im ersten war ihm der Titel König der Freien Marken zugestanden worden — ein Zugeständnis, das durch seine Großzügigkeit beleidigte. Im zweiten hatte man ihm das Bündnis der Häuser Ardmore und Pellerin wie eine Warnung mitgeteilt. Im dritten, das heute morgen angekommen war und das er noch zweimal gelesen hatte, bevor er Gerulf Brandtheim in den Korridor schickte, stand in eleganten Lettern das Angebot: Roward von Steinmark könnte Markenherr des Nordens werden, bestätigt durch die Krone, erblich und unveräußerlich, wenn er seine Truppen aus den Gebirgspässen zurückzöge und seinen Anspruch auf den Titel eines Königs niederlegte.
Markenherr. Das Wort hatte ihn am Morgen kalt gemacht, und die Kälte hatte sich im Laufe des Tages nicht aufgelöst, sie hatte sich nur vertieft, so wie Eis tiefer wird, ohne daß man es sieht.
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