Der Zug nach Spandau fuhr um 11:47 Uhr ein und wieder aus, ohne dass jemand ausstieg. Kriemhild stand am westlichen Ende des Bahnsteigs, die Hände in den Taschen ihres Mantels, und beobachtete, wie die Waggons an ihr vorbeizogen. Das Gewicht der letzten Tage lag nicht in ihren Augen, sondern in der Art, wie sie stillstand — zu still für jemanden, der auf einen Zug wartete.
Sie hatte die Frau bereits gesehen, als sie die Treppe hochgekommen war.
Brunhild Vogt stand am anderen Ende des Bahnsteigs, einen Pappbecher Kaffee in der linken Hand, den Blick auf die Gleise gerichtet. Mittelgroß, unauffälliger dunkler Mantel, Haar kurz und ohne Ehrgeiz frisiert. Sie bewegte sich nicht, als Kriemhild erschien. Sie hatte sich auch nicht umgedreht. Und genau das war der Hinweis: jemand, der nicht hinguckt, weil er schon geguckt hat.
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