An jenem Morgen erwachte Gregor Pallister wie gewöhnlich, das heißt: mit dem Gesicht gegen das feuchte Holz der Unterseite der dritten Treppenstufe gedrückt, die sich im Laufe der Jahre tief in seine Wange eingeprägt hatte und dort eine Art sekundäre Identifikation hinterlassen hatte, die beständiger war als jedes Dokument.
Er blinzelte. Dann blinzelte er erneut, denn das Licht, das er wahrnahm, war nicht jenes fahle Grau, das durch den schmalen Spalt unterhalb der Schranktür fiel und das er als Morgen zu lesen gelernt hatte. Es war etwas anderes. Es kam, soweit er das in der Enge seines Lagers beurteilen konnte, aus einer Richtung, die ihn selbst einschloss.
Er hob die Hand und betastete die Stelle auf seiner Stirn, die seit seiner frühesten Erinnerung die Form eines unregelmäßigen Blitzes trug. Die Narbe war warm. Er legte den Finger dagegen und zog ihn sofort zurück, nicht weil es schmerzte, sondern weil er bemerkte, dass sein Fingernagel im Dunkeln schwach zu leuchten begann, wie ein schlecht ausgelöschtes Streichholz, das sich noch einmal besinnt.
Das war neu.
Er lag noch einen Moment still und erwog die Möglichkeit, dass dies ein Traum sei, was jedoch unwahrscheinlich war, weil seine Träume seit jeher jene geordnete, wenig phantasievolle Qualität hatten, die seiner wachen Existenz entsprach: ein leeres Formular, ein nicht geöffneter Brief, ein langer Korridor ohne erkennbares Ende. Kein Licht. Keinen Glanz. Nichts Dokumentierbares.
Er schob die Schranktür einen Spalt auf und sah in den Flur.
Der Flur der Familie Dünkel war, zu jeder Tageszeit, ein Ort von beträchtlicher normativer Dichte. An der rechten Wand hing ein gerahmter Zeitungsausschnitt über einen regionalen Gartenwettbewerb, den Heinrich Dünkel im Jahr vor Gregors Ankunft mit einer Begonie gewonnen hatte, die mittlerweile tot war, deren Triumph jedoch unvermindert galt. Daneben befand sich, in gleicher Höhe und gleich sorgfältig ausgerichtet, eine handlaminierte Übersicht der Hausmüllabfuhrtermine für das laufende Jahr. Darunter stand das Telefon: anthrazit, kabelgebunden, stumm.
Gregor kroch heraus und richtete sich auf, was in dem Raum unter der Treppe eine Abfolge von kalkulierten Körperanpassungen erforderte, die er über Jahre zu einer wortlosen Choreographie verfeinert hatte. Er war jetzt vollständig im Flur. Die Narbe auf seiner Stirn leuchtete noch immer. Im Morgenlicht, das schräg durch das Oberlicht der Eingangstür fiel, war der Schein kaum zu erkennen, aber er war da: ein blasses, weißliches Pulsieren, das die Frequenz seines Herzschlags zu kennen schien.
Er trat vor den langen Spiegel neben der Garderobe, der ausschließlich dazu vorgesehen war, zu überprüfen, ob man präsentabel war, und betrachtete sein Gesicht. Die Narbe glühte. Er beugte sich näher heran. Das Licht war gleichmäßig und beharrlich, ein schlechter Mieter, der keine Kündigung akzeptierte. Er streckte den Finger aus und beschrieb den Umriss der Narbe, ohne sie zu berühren, und überlegte, ob es dafür eine Erklärung gab, die er Frau Dünkel bei Gelegenheit vorlegen könnte.
Er fand keine.
Frau Hedwig Dünkel entdeckte das Licht um sechs Uhr dreiundvierzig, als sie, im fliedergrauen Morgenmantel, den sie ausschließlich an Wochentagen trug, in die Küche ging, um Wasser aufzusetzen. Sie passierte den Flur, blieb vor dem Spiegel stehen, weil eine Strähne ihres sorgfältig gesetzten Haares aus der Form geraten war, und sah in der Reflexion hinter sich Gregor stehen, dessen Stirn einen schwachen Lichthof in die ruhige Dunkelheit der Diele malte.
Sie sagte nichts sofort. Sie betrachtete die Erscheinung mit der zusammengekniffenen Konzentration, mit der sie auch undichte Armaturen betrachtete: als ein Problem mit einer Lösung, das vorläufig lediglich nicht beschriftet worden war.
„Du hast wieder etwas mit dir gemacht", sagte sie schließlich.
Es war keine Frage. Es war eine Einordnung.
„Ich habe nichts gemacht", sagte Gregor.
„Das leuchtet", sagte Hedwig Dünkel. Sie sprach das Wort aus, als wäre es ein Sachschaden.
Gregor bestätigte, dass es das tue.
Hedwig Dünkel wandte sich von dem Spiegel ab, betrat die Küche, füllte den Wasserkocher und stellte ihn auf die Basis, und all das mit einer Präzision, die keinen Kommentar erlaubte. Das Licht war eine Unregelmäßigkeit. Unregelmäßigkeiten wurden nicht diskutiert. Sie wurden beseitigt oder, wenn das nicht möglich war, so weit wie möglich außerhalb des zentralen Sichtfeldes platziert.
Gregor setzte sich an das schmale Ende des Küchentisches, das für ihn vorgesehen war, und schwieg.
Herr Heinrich Dünkel erschien um sieben Uhr acht, in Hemd und Krawatte, da er um acht Uhr dreißig in der Behörde sein musste, bei der er als mittlerer Beschaffungsreferent tätig war, und Pünktlichkeit, wie er verschiedentlich erklärt hatte, das Mindestmaß an Ehrenhaftigkeit war, das man einer öffentlichen Einrichtung schulde. Er nahm seinen Platz am Tisch ein, entfaltete die Tageszeitung zu genau einem Drittel ihrer Breite, da mehr den Frühstücksbetrieb gestört hätte, und bemerkte das Licht auf Gregors Stirn ohne erkennbare Reaktion.
Er betrachtete es drei Sekunden lang. Dann sagte er: „Das hört hoffentlich auf."
„Ich weiß es nicht", sagte Gregor.
Heinrich Dünkel nickte einmal, als wäre das eine hinreichende Antwort, und wandte sich der Zeitung zu. Die Zeitung enthielt, in dieser Reihenfolge, Neuigkeiten zu kommunalpolitischen Beschlüssen, einem lokalen Straßenabschnitt, der seit sieben Monaten gesperrt war, und dem Jahresbericht einer Kleingärtnergemeinschaft. Heinrich las sie von oben nach unten. Das Licht auf Gregors Stirn leuchtete. Niemand sprach darüber. Der Wasserkocher schaltete mit einem Klicken ab.
Der erste Brief kam um neun Uhr vierzehn.
Gregor war zu diesem Zeitpunkt damit beschäftigt, den schmalen Streifen Rasen hinter dem Haus zu mähen, was nach einem Dienstplan geschah, der an der Innenseite der Küchentür klebte und den er als verbindlich ansah, weil er noch kein Dokument gesehen hatte, das ihn für unverbindlich erklärte. Das Motorengeräusch des Mähers, der zu alt war, um leise zu sein, übertönte das Geräusch des Briefkastens, und so hörte er nur den kurzen, schnellen Schritt Heinrichs auf dem Flurstein — der bereits im Anzug dastand, die Aktentasche griffbereit, weil er für den Nachmittag einen Außentermin hatte — und dann das gedämpfte, zufriedene Geräusch, das der Briefkastenschlitz machte, wenn man ihn zufallen ließ.
Er erfuhr später, was auf dem Brief gestanden hatte — nicht weil man es ihm sagte, sondern weil er Hedwig in einem unbeobachteten Moment sagen hörte, das Ding habe oben draufgestanden, dieser Name, und darunter: Unteres Regal, Speisekammerschrank, Abstellraum, Durkheimerstraße siebenundzwanzig, als wäre der Absender über die Raumaufteilung des Hauses informiert gewesen.
Heinrich hatte den Brief mit dem kleinen, chromgrauen Feuerzeug verbrannt, das er zu diesem Zweck in der Schreibtischschublade aufbewahrte, und zwar im Spülbecken, damit die Asche in den Abfluss gespült werden konnte, ohne Rückstände zu hinterlassen. Gregor wusste das, weil er den Geruch kannte: das trockene, leicht bittere Aufflackern von Papier, das ohne Umschlag verbrannte, weil Heinrich den Umschlag getrennt entsorgte, da er der Auffassung war, dass unterschiedliche Materialien unterschiedliche Entsorgungswege verdienten, selbst wenn das Ergebnis dasselbe war.
Um neun Uhr dreiundvierzig kam der zweite Brief.
Gregor stand noch mit dem Mäher auf dem Rasen, als er Hedwig an das Fenster der Küche treten sah und hinausblickte, nicht zu ihm, sondern an ihm vorbei, mit dem Ausdruck einer Frau, die eine Entwässerungsrinne begutachtet. Er folgte ihrem Blick, sah aber nichts Ungewöhnliches, und arbeitete weiter.
Der Geruch von verbrantem Papier kam kurz darauf durch das geöffnete Kippfenster nach draußen.
Der dritte Brief erschien um Viertel nach elf, und zwar innerhalb des Hauses.
Er lag auf dem unteren Tablar des Regals, das im Flur stand und auf dem Hedwig Dünkel die Dinge aufbewahrte, die sie regelmäßig brauchte: Schlüssel, Einkaufsblöcke, ein kleines Ledermäppchen für Quittungen. Der Umschlag war creme-farben, schwer und von einem Format, das weder mit normaler Korrespondenz noch mit Rechnungen übereinstimmte, und er trug in einer Handschrift, die aussah, als wäre sie mit einer breiten, ungleichmäßig gesättigten Feder geschrieben worden, Gregors vollständigen Namen und darunter eine Adressierung, die lautete: Erstes Regal links, Flur, Durkheimerstraße siebenundzwanzig.
Hedwig entdeckte ihn und stand eine kurze Weile davor, ohne ihn zu berühren. Dann nahm sie ihn mit spitzen Fingern, als könnte er ihr etwas mitteilen, das sie nicht wünschte, und brachte ihn zu Heinrich in das Arbeitszimmer, wo er sich nach dem Frühstück für den Außentermin vorbereitete.
Heinrich verbrannte ihn. Das Feuerzeug arbeitete zuverlässig. Die Asche kam in den Ausguss.
Niemand fragte Gregor, ob er den Brief erhalten habe. Es wäre keine sinnvolle Frage gewesen, da er ihn nicht erhalten hatte. Er existierte nicht mehr. Der Vorgang war abgeschlossen.
Was folgte, hatte eine Qualität, die Gregor nicht beschreiben konnte, die er aber, wenn er es hätte beschreiben müssen, vielleicht als institutionelle Sturheit bezeichnet hätte.
Am frühen Nachmittag erschien ein Brief in dem schmalen Spalt unter dem Kühlschrank. Hedwig zog ihn hervor, ohne ein Wort zu sagen, mit dem langen Stiel des Kehrbesens. Heinrich verbrannte ihn.
Ein weiterer Brief lag abends auf der untersten Stufe der Treppe selbst, in einem Winkel, den die Schrankwand bildete: präzise platziert, als hätte jemand sehr genau gewusst, wo der Rand der üblichen Aufmerksamkeit verlief. Er trug dieselbe Adressierung: Unterste Treppenstufe, Durkheimerstraße siebenundzwanzig. Verbrannt.
Gegen achtzehn Uhr beobachtete Gregor, dass das Kondenswasser auf dem Küchenfenster sich in Buchstaben zu ordnen begann, die er auf den zweiten Blick als seinen Namen erkannte, gefolgt von einer mehrzeiligen Adresse, die von oben nach unten verlief und in den untersten Bereichen der Scheibe leicht verzerrte, weil das Wasser an dieser Stelle schon zu rinnen begann.
Hedwig wischte das Fenster trocken. Sie verwendete dazu ein sauberes Tuch aus dem zweiten Schubfach links, das für Fenster vorgesehen war. Sie hängte das Tuch anschließend ordentlich über den Griff des Backofens.
Um neunzehn Uhr dreißig sah Gregor, als er über den Dielenboden ging, dass in der Maserung des Holzes, in den dunklen Linien, die das Alter des Brettes durchzogen, Buchstaben erschienen: nicht eingeritzt, nicht aufgemalt, sondern im Holz selbst, als wären sie immer dagewesen und hätten nur auf eine Beleuchtungssituation gewartet, in der sie lesbar wurden. Er kniete nieder und folgte mit dem Finger den Konturen, ohne sie zu berühren, und las seinen Namen, und darunter: die Adressierung, und darunter, auf einer zweiten Zeile, in kleinerem Duktus, das Wort Turmstein-Akademie und eine Postleitzahl, die er nicht kannte.
Heinrich kam aus dem Arbeitszimmer, sah Gregor auf dem Boden knien, betrachtete die Maserung des Bodens und sagte nichts. Er ging in die Küche, öffnete die zweite Schublade rechts, in der das Werkzeug lag, holte einen breiten Schleifklotz heraus und stellte ihn auf die Kommode, für den nächsten Morgen.
Hedwig saß im Wohnzimmer. Der Fernseher lief. Sie hatte die Lautstärke auf einen Pegel eingestellt, der angenehm war, ohne aufzufallen.
Gregor stand auf und ging in seinen Schrank unter der Treppe. Die Narbe auf seiner Stirn leuchtete noch, kaum merklich jetzt, gedämpft vom Holz um ihn herum. Er zog die Tür hinter sich zu.
Von der Küche her hörte er das trockene, vertraute Geräusch einer Schublade, die geöffnet und wieder geschlossen wurde: das Feuerzeug, das zurück an seinen Platz gelegt wurde. Dann Schritte, die sich entfernten. Dann nichts, oder fast nichts: das Ticken der Wanduhr, die korrekte Zeit anzeigte, wie immer, wie es ihr Auftrag war.
Er lag still. Das Licht auf seiner Stirn pulsierte einmal, zweimal, dann gleichmäßig, wie etwas, das gelernt hatte zu warten.