Chapter Fifteen: What the Chroniclers Left Unwritten

Was die Chronisten nicht aufgezeichnet haben, war nicht das Unwichtige, sondern das Undarstellbare — jene Übergänge zwischen den Ereignissen, in denen die Geschichte ihre eigentliche Arbeit verrichtet, lautlos und ohne Zeugen. Die Dokumente, die erhalten geblieben sind, bezeugen Daten, Namen, Titel, territoriale Vereinbarungen und den gelegentlichen Todfall; sie schweigen über das, was zwischen diesen festen Punkten geschah, und der Chronist, der ehrlich wäre, würde eingestehen, daß das Schweigen nicht Verlust ist, sondern Methode — die einzige Form, in der Geschichte ertragen werden kann, wenn man ihr zu nah gestanden hat.

Was folgt, ist kein Bericht. Es ist das, was ein Bericht zurückläßt, wenn man ihm glaubt.

Fürst Robert von Waldenfels starb im siebzehnten Jahr nach Eduard Starkenburgs Hinrichtung, an einem Novembermorgen, in dem Schlafgemach, das er seit dem Tod seiner ersten Frau nicht mehr gewechselt hatte. Das Zimmer roch nach altem Kerzenwachs und nach dem besonderen Moder langer bewohnter Räume, dessen Bestandteile man nicht benennen kann, der aber von der körperlichen Gegenwart vieler gelebter Jahre zeugt. Sein Leibarzt Doktor Emmerich, dem die Waldenfels-Chronik einen einzigen Satz widmet, notierte als Todesursache allgemeinen Kräfteverfall — eine Formulierung, die in ihrer organischen Neutralität vermeidet, was sie nicht vermeiden kann: daß Roberts Leib dem nachgab, was sein Geist lange vor ihm aufgegeben hatte.

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Chapter Fifteen: What the Chroniclers Left Unwritten — Das Erbe des Eisernen Throns – Der Verfall der Westermark | GenNovel