Dreizehn Tage nach der Hinrichtung Eduard Starkenburgs roch der Thronsaal nach frischem Bienenwachs.
Dies war Cerolins Anordnung gewesen — nicht als Gedenkgeste, wie einige der älteren Hofbedienten flüsternd gemutmaßt hatten, sondern weil der Saal seit zwei Monaten nicht mehr regelmäßig genutzt worden war und der leicht muffige Unterton alternden Holzes und kalter Kamine, den solche Räume in sich aufnehmen wie Tuch Tabakrauch, nicht die erste Begegnung dieser Art prägen durfte. Ceroline verstand, daß Atmosphäre Haltung ist, und Haltung, über die Jahrzehnte praktiziert, keine Haltung mehr — Natur.
Fürst Robert erschien zu der Audienz, für die Ceroline den Saal hatte vorbereiten lassen, zwanzig Minuten zu spät und mit dem Ausdruck eines Mannes, dem man den Termin dreimal erklären mußte, bis er nickte, ohne daß das Nicken Verständnis garantiert hätte. Er setzte sich. Sein Obergewand war korrekt — Ceroline hatte sich persönlich davon überzeugt, daß Kammer-Diener Wendt es herausgelegt hatte — und sein Blick, der sich langsam durch den Saal bewegte wie der eines Mannes, der eine Landschaft wiedererkannte, in der er lange nicht gewesen war, ruhte schließlich auf Ceroline, ohne zu fragen.
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