Gregor Harzer erwachte an einem Dienstag im November und stellte fest, dass die Bettlaken brannten.
Es war kein großes Feuer. Die Flammen, falls es Flammen waren, hinterließen keine Asche und erzeugten keine Wärme, die von außen spürbar gewesen wäre — nur zwei gleichmäßige, handförmige Abdrücke im Leinen, dunkelbraun wie Flecken überkochten Kaffees, und um die Ränder dieser Abdrücke herum ein schwaches, bläuliches Glimmen, das erlosch, sobald Gregor seine Hände zurückzog und auf die Knie legte. Der Geruch blieb: angesengte Baumwolle, säuerlich und fremd, wie das Innere einer Laterne nach dem Löschen.
Er saß auf dem Bettrand und betrachtete seine Handflächen.
Sie sahen unverändert aus. Die kleine Narbe am linken Daumen, die er sich beim Schälen von Kartoffeln zugezogen hatte, war noch da. Die Haut war blass, wie immer in diesem Keller, der nach Schimmel und feuchtem Mauerwerk roch und dessen kleines Kellerfenster den Himmel nur als einen viereckigen Streifen grauen Lichts freigab, gerade hoch genug, um Gregors Augen zu zeigen, dass die Welt draußen bereits in Gang war. Schritte auf dem Gehsteig. Eine Straßenbahn in der Ferne. Der Harzers Haus lag in einer ruhigen Straße im vierten Bezirk, was bedeutete, dass der Morgen bereits seit geraumer Zeit ohne Gregors Kenntnis verlaufen war.
Er untersuchte die Hände systematisch. Keine Blasen. Keine Rötung. Kein Zittern. Sie fühlten sich an wie Hände.
Das Leinen brannte nicht mehr.
Gregor stand auf, faltete die Decke so, dass der beschädigte Teil nach innen lag, und legte sie ordentlich ans Fußende des Bettes. Es war eine schmale Pritsche aus ungestrichenem Holz, die sein Onkel aus dem ersten Stockwerk in den Keller verbannt hatte, als Gregors Cousin Walther die obere Stube für seine Modelleisenbahnanlage beansprucht hatte. Das war vor fünf Jahren gewesen. Gregor hatte seither dreimal darum gebeten, die Anlage zu besichtigen, und war dreimal freundlich abgewiesen worden.
Er zog seine Hose an.
Es war erst beim Anblick seiner Stirn im Spiegel über dem kleinen Waschbecken — ein Spiegel mit einem Sprung quer durch die untere linke Ecke, der Gregors Kinn in zwei nicht ganz aufeinandertreffende Hälften teilte — dass er bemerkte, was in der Nacht noch geschehen war. Über der rechten Augenbraue, genau in der Mitte der Stirn, hatte sich eine Narbe gebildet. Sie war nicht frisch; es gab kein Blut, keine Schwellung, keine Schmerzen beim Darüberfahren mit dem Finger. Sie sah aus wie eine seit Jahren verheilte Wunde, der Rand glatt und leicht wulstartig, die Form unregelmäßig und dennoch unverkennbar der eines Blitzes ähnlich — oder vielmehr eines gestürzten Blitzes, eines Blitzes, der nach unten fiel statt nach oben, was Gregor keine Erklärung für die Frage lieferte, welchen Unterschied das ergeben sollte.
Er fuhr noch einmal mit dem Finger darüber. Die Narbe war kalt.
Er überlegte.
Die erste mögliche Erklärung war, dass er sich in der Nacht an etwas gestoßen hatte, ohne es zu bemerken. Das Bett stand jedoch frei im Raum, und die nächste Wand befand sich in einer Entfernung, die ein unbewusstes Aufstehen und präzises Gegen-etwas-Stoßen in der Dunkelheit unpraktisch machte. Die zweite mögliche Erklärung war, dass die Narbe bereits früher vorhanden gewesen war und er sie schlicht nicht bemerkt hatte. Das erschien ihm plausibler, war aber durch eine einfache Überlegung zu widerlegen: Er hatte sich täglich im Spiegel gesehen, und die Stirn war glatt gewesen. Die dritte mögliche Erklärung erforderte Annahmen, für die er keine Grundlage hatte, und Gregor ließ sie vorläufig unnotiert.
Er wusch sich das Gesicht, kämmte die Haare nach links, bis die Narbe halb verdeckt war, und überlegte, ob er die beschädigte Decke unter dem Bett verstauen sollte, bevor er das Frühstück zubereitete. Die Tante pflegte den Keller alle zwei Wochen zu inspizieren, und die nächste Inspektion war, nach seiner Berechnung, in vier Tagen fällig.
Er entschied sich, die Decke zu lassen, wo sie war, und die Kellertür hinter sich zu schließen.
Die Harzer-Küche roch nach Margarine und aufgewärmter Milch. Tante Irmgard stand am Herd und rührte in einem Topf, dessen Inhalt sie als Haferbrei bezeichnete, obwohl er in Konsistenz und Farbe wenig gemein hatte mit allem, was Gregor je in einem Rezeptbuch unter diesem Namen gefunden hatte. Sie drehte sich nicht um, als er eintrat.
"Spät", sagte sie.
"Es ist Viertel nach sieben", sagte Gregor.
"Walther ist schon weg." Sie meinte damit: Walther hat sich bereits bewiesen, während du noch unten warst. Gregor hatte diese Umwandlung gelernt. "Setz dich hin."
Er setzte sich. An dem kleinen Küchentisch, der vier Personen Platz bot, wenn man die Stühle nah genug zusammenschob und niemand die Arme ablegen wollte, stand sein Napf bereits bereit. Onkel Franz war nicht zu sehen, was bedeutete, dass er bereits zur Arbeit gegangen war — er verwaltete die Papiere einer mittleren Klempnerfirma im Nachbarbezirk und pflegte das Haus um sechs Uhr dreißig zu verlassen, ohne Frühstück, nur mit einem Mantel und dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der über etwas nachdenkt, das ihn schon vor langer Zeit aufgehört hat zu interessieren.
Tante Irmgard stellte den Topf auf den Tisch.
"Was ist das auf deiner Stirn?"
Gregor fasste unwillkürlich an die Haare. "Ich habe mich gestoßen."
Sie betrachtete ihn, den Löffel noch in der Hand. Ihr Blick war nicht unfreundlich und nicht freundlich; er war der Blick einer Frau, die eine Angelegenheit erfasste, ohne sich dazu zu äußern. "Wann?"
"In der Nacht."
Sie schöpfte Haferbrei in seinen Napf. "Dann pass besser auf", sagte sie und wandte sich zum Herd zurück.
Das war der erste Teil des Gesprächs. Gregor aß. Er aß langsam und ordentlich, und er dachte dabei an die Decke, die er im Keller gelassen hatte. Es war nicht unwahrscheinlich, dass Tante Irmgard heute die Inspektion vorverlegte. Sie hatte manchmal eine Neigung, Dinge genau dann zu tun, wenn es Gregor am wenigsten gepasst hätte, nicht aus Bosheit, so glaubte er, sondern aus einer Art struktureller Unaufmerksamkeit für seinen Zeitplan, die dasselbe Ergebnis hatte.
Er aß den Haferbrei auf und trug den Napf zur Spüle.
"Ich gehe jetzt", sagte er.
"Warte."
Er wartete. Tante Irmgard trocknete ihre Hände an der Schürze, nicht mit der Gründlichkeit einer Frau, die ihre Hände getrocknet hatte, sondern mit der Gründlichkeit einer Frau, die Zeit brauchte, um sich zu entscheiden. Dann sagte sie: "Dein Zimmer. Ich muss heute Nachmittag kurz—"
"Es ist in Ordnung", sagte Gregor.
Wieder dieser Blick. Kurz, schräg, evaluativ. "Gut", sagte sie. Und dann, mit einer Beiläufigkeit, die zu sorgfältig war, um wirklich beiläufig zu sein: "Du siehst blass aus."
"Ich sehe immer blass aus."
Sie nickte, als sei das eine befriedigende Antwort. Gregor verließ die Küche.
Er hatte drei Schritte den Flur hinunter gemacht, als er hörte, wie sie die Kellertür öffnete.
Er blieb stehen. Die Handflächen fühlten sich warm an. Er sah hinunter — nichts, kein Leuchten, keine Brandspuren, nur die blasse, unveränderte Haut. Unten im Keller raschelten Schritte über den Steinboden. Eine Pause. Das Geräusch einer gefalteten Decke, die auseinandergeschlagen wurde.
Gregor wartete.
Eine längere Pause folgte, in der er nichts hörte als das entfernte Grollen der Straßenbahn und Tante Irmgards gleichmäßige Schritte, die sich nun, ohne Eile, wieder nach oben bewegten. Sie erschien am Ende des Flurs mit der gefalteten Decke unter dem Arm. Ihre Miene verriet nichts. Gregor verriet nichts. Sie gingen aneinander vorbei wie zwei Beamte in einem Korridor, die ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereich genau kennen.
"Ich wasche das", sagte sie. Nur das.
"Danke", sagte Gregor.
Das Wort Feuer fiel nicht. Das Wort Brandflecken fiel nicht. Das Wort das-war-heute-Nacht-noch-nicht-so fiel nicht, obwohl Gregor sicher war, dass Tante Irmgard die Decke kannte, da sie dieselbe seit Jahren jeden zweiten Donnerstag wechselte. Sie schloss die Tür zum Kellerabgang hinter sich, stellte die Decke in den Wäschekorb im Badezimmer, und als Gregor zwanzig Minuten später noch immer im Flur stand — er war nicht sicher, warum er noch immer im Flur stand — kam sie wieder an ihm vorbei in die Küche und begann, das Geschirr zu spülen.
Gregor zog seinen Mantel an.
Es war kurz nach halb neun, als es klingelte.
Er dachte zuerst, es sei die Post, da es die Zeit war, zu der der Postbote gewöhnlich kam, aber der Postbote hatte noch nie zweimal geklingelt, und diese Klingel ertönte zweimal, dann nach einer kurzen, sehr präzisen Pause ein drittes Mal, als wolle die Person vor der Tür einen Nachweis erbringen, dass sie mit der üblichen Methode der zweifachen Betätigung nicht verwechselt werden könne.
Gregor öffnete die Tür.
Auf der Eingangsstufe stand ein Mann in einem Mantel, der etwas zu lang für ihn war und an den Handgelenken die Spuren einer früheren Besitzerin verrieten. Er trug einen flachen Hut mit einem abgewetzten Rand, und an seinem rechten Arm hing eine dunkelbraune Aktentasche aus einem Material, das nicht ganz wie Leder aussah. Das Material war dicker, formstabiler, mit eingestanzten Rillen an den Schließen, die Gregor an die Rücken alter Gerichtsakten erinnerten, wie er sie einmal in der städtischen Bibliothek gesehen hatte. Der Mann selbst hatte ein Gesicht, das Gregor sofort vergaß, während er es noch betrachtete — nicht weil es unschön oder ungewöhnlich war, sondern weil es die Präzision eines Gesichts besaß, das seinen Zweck vollständig erfüllte und keine darüber hinausgehenden Merkmale für notwendig gehalten hatte.
"Gregor Harzer?", fragte der Mann.
"Ja", sagte Gregor.
"Amtsbote Krehl, Verwaltungsbehörde für Magische Einschreibungen, Referat B, Unterabteilung Nachzustellende Korrespondenz." Er sagte das mit dem Tonfall eines Mannes, der diesen Satz sehr oft gesagt hat und keinerlei Anlass sieht, ihn abzukürzen. Dann öffnete er die Aktentasche. "Ich habe hier einige Unterlagen für Sie."
Aus der Aktentasche zog er eine gebündelte Folge von Formularen, Durchschlägen und amtlich gestempelten Schreiben, die, als Krehl sie auf dem Vorsprung der Türschwelle aufrichtete und voneinander zu trennen begann, eine Anzahl erreichten, die Gregor zunächst für unwahrscheinlich hielt und dann für schlicht unmöglich erklärte, bis er aufgehört hatte zu zählen.
"Da ist offenbar etwas aufgelaufen", sagte Krehl, ohne Entschuldigung und ohne Betonung. Er hielt das erste Formular hoch, das in der oberen rechten Ecke eine Kennziffer trug, die aus drei Buchstaben und sieben Ziffern bestand, gefolgt von einem Schrägstrich und dem Buchstaben Ü. "Wenn Sie hier unterschreiben könnten."
Gregor unterschrieb.
Hinter ihm, in der Küche, verstummte das Geschirr.