Das Archiv lag hinter der Kommandantur, in einem Raum ohne Fenster. Jemand hatte die Tür von innen verriegelt und den Schlüssel steckenlassen. Lev blieb einen Moment davor stehen, zog den Schlüssel ab, betrachtete ihn, legte ihn auf den Boden neben der Türschwelle. Ich fragte mich kurz, warum jemand einen Raum von innen abgeschlossen und dann verlassen hatte. Dann entschied ich, dass ich es nicht wissen wollte.
Der Raum roch nach Schimmel und altem Papier und etwas Süßlichem darunter, das ich nicht benennen konnte und nicht benennen wollte. Entlang der linken Wand standen Metallregale mit Ordnern. Die meisten waren aufgequollen vom Feuchtigkeit, ihre Rücken kaum noch lesbar. An der rechten Wand ein Schreibtisch, eine umgestürzte Lampe, ein Stuhl, dessen Lehne gebrochen war. In der hinteren linken Ecke, genau dort, wo Hess es beschrieben hatte, standen drei flache Schubladen in einem Metallgestell.
„Jäger, Brandt — Dokumente", sagte Lev. Er selbst trat zu den Ordnern an der Wand und begann sie methodisch herauszuziehen, aufzuschlagen, zu überprüfen. Seine Hände bewegten sich schnell und ohne Zögern, die Geste eines Menschen, der weiß, was er sucht, auch wenn er es nicht beschreiben könnte.
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