Es gibt Momente, in denen die Geschichte mit der Langsamkeit eines Mannes schreitet, der weiß, wohin er geht, und trotzdem jeden Schritt verzögert — nicht aus Feigheit, sondern weil die Füße noch begreifen, was der Kopf bereits beschlossen hat. Albrecht von Waldenfels war kein feiger Mann. Er war ein Mann, der an einem Donnerstagmorgen im dritten Monat seines Amtes als Kronhüter aufwachte, ein Dokument aus seiner Schreibtischschublade zog und es zum siebzehnten Mal las, diesmal mit der Gewissheit, dass kein weiteres Lesen die Worte verändern würde.
Das Dokument war nicht das einzige. Es gab drei Briefe, abgefangen durch einen seiner Untergebenen — einen jungen Mann namens Krebs, der seinen Vornamen nie nannte und der seit sechs Wochen in der Kanzlei der Kronhüterei arbeitete, ohne dass jemand gefragt hätte, wer ihn empfohlen hatte. Albrecht hatte ihn nicht gefragt. Er hatte ihn angestellt, weil er sauber schrieb und früh erschien. Es gab außerdem zwei Zeugenaussagen, aufgezeichnet in Albrechts eigener Hand, von Bediensteten, die nicht wussten, was sie gesehen hatten, und die es ihm erzählten, weil er gefragt hatte und weil niemand am Hof von Karanthor je aus der Kronhüterei nach Dingen gefragt wurde, die tatsächlich stattgefunden hatten. Und es gab einen Abend, vor drei Wochen, den Albrecht selbst nicht hatte herbeiführen wollen: Er war durch den westlichen Korridor des Palastes gegangen, zu einer Stunde, zu der er dort nicht sein sollte, und hatte eine Tür gesehen, die nicht vollständig geschlossen war, und hatte etwas gehört, das er seitdem in der Sprache seiner väterlichen Erziehung als Beweismittel zu bezeichnen gelernt hatte, weil er keine andere Sprache dafür besaß.
Die Sprache seiner Gefühle darüber — die hätte er nicht ohne Weiteres beschreiben können.
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