Chapter Two: Kaspar Weidmann's Gilded Shop Window

Die Zeitung lag auf dem Frühstückstisch des Professors wie ein Tier, das er nicht angerührt haben wollte — und doch rührte er sie an, jeden Morgen, mit jener zwanghaften Pünktlichkeit, die er bei sich selbst Disziplin nannte und die in Wahrheit nichts anderes war als die Unfähigkeit, eine Gewohnheit zu brechen, weil die Gewohnheiten das einzige waren, was den Tagen noch eine Kontur gaben.

Die Ausgabe vom Dienstag trug auf der dritten Seite ein kleines Portrait — ein Holzschnitt, sauber und präzise, wie für den Druck eines Mannes gemacht, dessen Gesicht die Öffentlichkeit bereits als ihr Eigentum betrachtete. Kaspar Weidmann, Apotheker und nunmehr Berater der städtischen Gesundheitskommission, wie die zweispaltige Notiz darunter in akkuraten Lettern erläuterte. Dreißig Jahre alt oder knapp darüber, das Kinn leicht angehoben, der Blick in einer Richtung, die weder direkt auf den Betrachter zielte noch von ihm wich — ein Blick, den Faustus sofort als den Blick eines Mannes erkannte, der gelernt hatte, Selbstbewußtsein als Haltung herzustellen, unabhängig davon, ob es innen vorhanden war.

Faustus las den Artikel zweimal. Beim ersten Mal registrierte er die Fakten. Beim zweiten Mal registrierte er, was die Fakten in ihm anrichteten.

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Chapter Two: Kaspar Weidmann's Gilded Shop Window — Der Verschmähte Pakt | GenNovel