Der Morgen schmeckte nach Salz und Demütigung.
Baron Hieronymus Karl Friedrich von Münchhausen — Edelmann des Heiligen Römischen Reiches, Veteran zwölf verschiedener Kriege auf vier verschiedenen Kontinenten, Freund zweier Zaren und eines besonders gesprächigen Kamels — erwachte mit dem Gesicht auf einem Stück verrottendem Holz und einer Krabbe, die methodisch an seinem linken Ohrläppchen zog.
Er schlug die Augen auf.
Wasser. Überall Wasser. Wasser von einer Farbe, die er in keiner europäischen Meereskarte je gesehen hatte — ein tiefes, sattgesättigtes Blau, das wirkte, als hätte jemand den Himmel in die falsche Richtung gegossen und dann vergessen, es zu korrigieren. Das Licht brach sich darin auf eine Art, die seinen Schädel schmerzen ließ, und die Horizonte — Münchhausen blinzelte, zählte nach, blinzelte erneut — schienen in mehrere konkurrierende Richtungen gleichzeitig zu verlaufen, was topographisch gesehen eine Unverschämtheit war.
Die Krabbe zog erneut.
"Ich lasse mich nicht von einem Zehnbeinern erniedrigt", sagte der Baron mit der Würde eines Mannes, der noch keinen vollen Gedanken gefasst hatte, und setzte sich auf.
Das Wrack, auf dem er kauerte, war kaum größer als ein anständiger Ballsaal-Tisch. Die Planken waren schwarz vor Muscheln, die Takelagereste um den gebrochenen Mast hatte das Meer in grotesken Spiralen gedreht, und mittschiffs klaffte ein Loch, aus dem stoßweise Schaum sprühte, als atme das Ding. Ringsum das Große Meer — denn das war es, das musste es sein, obwohl er nicht hätte erklären können, woher er das wusste, außer dass dieses Wasser sich anfühlte, als meine es es wirklich ernst. Kein mediterranes Mittelmaß. Keine höfliche Nordseeberuhigung. Dies war ein Ozean mit Überzeugungen.
Der Baron stand auf. Das Wrack schwankte. Der Baron schwankte nicht, weil er sein ganzes Leben auf Schiffen, Pferden, Kanonenkugeln und einmal auf dem Rücken eines preußischen Adlers gereist war und einen Gleichgewichtssinn besaß, den er für gottgegeben hielt, was je nach Perspektive entweder schmeichelhaft für Gott oder beunruhigend für den Rest der Schöpfung war.
Er klopfte seinen Rock ab — Dunkelrot, schwer bestickt, die Knöpfe aus poliertem Messing, das Ganze nun vollständig durchnässt und mit einer ornamentalen Krabbe in der Brusttasche, über deren Anwesenheit er später nachdenken würde. Er richtete seinen Dreispitz aus. Er glättete seinen Schnurrbart, der prächtig geblieben war, was er als gutes Zeichen wertete.
Wie war er hierher gelangt?
Der Baron dachte nach. Er dachte ernsthaft nach, so ernsthaft wie ein Mann seiner Temperatur es vermochte, was bedeutete, dass nach ungefähr vier Sekunden die erste Geschichte sich in seinen Kopf schob wie ein alter Freund, der weiß, dass er nicht anklopfen muss.
Natürlich. Er erinnerte sich jetzt vollkommen.
Es war die türkische Kanone. Die besonders große, die Sultan Mehmed für ihn persönlich hatte gießen lassen, nach jenem Abend, den sie miteinander auf dem Dach des Topkapi-Palastes verbracht hatten, Schachspielend unter dem Vollmond, während unter ihnen drei Armeen Frieden schlossen, weil der Sultan und der Baron es so beschlossen hatten. Eine wundervolle Kanone, von der er immer gewusst hatte, dass sie ihn eines Tages noch irgendwohin katapultieren würde. Er hatte sich freiwillig hineingesetzt. Über die genauen Umstände, warum er das getan hatte, ließ sich trefflich streiten — der Wind hatte günstig gestanden, und außerdem hatten die drei Seekönige ihn eingeladen.
Die Seekönige, natürlich.
Riesige Wesen, drei an der Zahl, mit Schuppen wie Schilde und Augen wie Kirchenfenster, die sich während eines besonders turbulenten Sturms aus dem Atlantik erhoben und ihn persönlich beim Namen gerufen hatten — "Münchhausen!", in einem Bass, der noch nach drei Wochen in seinen Knochen vibrierte — und erklärt hatten, sie benötigten dringend seinen Rat in einer delikaten Angelegenheit, die das Gleichgewicht der Weltmeere betraf. Natürlich hatte er dem Ruf eines solchen Komitees nicht widerstehen können. Ein Baron hat Pflichten.
So weit die Erinnerung. An die Details der anschließenden Reise hatte das Salzwasser offenbar etwas zernagt.
Gleichgültig. Er war hier. Das genügte.
Er war gerade dabei, den Horizont mit der Miene eines Mannes zu betrachten, der ihn nur deshalb so musterte, um ihm zu beweisen, dass er ihn nicht brauchte, als er das Segel sah.
Es kam aus dem Osten, niedrig und schnell, ein dreieckiges Tuch über einem langen, schmalen Rumpf. Ein Fischerkutter. Er konnte den Geruch schon riechen: Salz, Holzteer, geröstete Fische und jenes spezifische Aroma harter Arbeit auf offener See, das keine Parfümerie der Welt je würdig hatte erfassen können.
Der Baron füllte seine Lungen.
"Haaaalt!", rief er, mit einer Stimme, die er einst benutzt hatte, um über ein Schlachtfeld hinwegzubrüllen, während auf beiden Seiten Kanonen feuerten. "Ich bin Baron Münchhausen! Legen Sie bitte an!"
Auf dem Kutter entstand Bewegung.
Die Männer, die ihn aus dem Wasser zogen, waren vier an der Zahl: braun gebrannte, wettergegerbte Gesichter unter flachen Strohhüten, Hände knotig wie Tauwerk, Augen von der spezifischen Nüchternheit von Leuten, die täglich Dinge sahen, für die es in anderen Meeren keine vernünftigen Worte gab. Der älteste von ihnen — ein breiter Mann mit einem Bart, in den sich, soweit der Baron feststellen konnte, mindestens eine Muschel und eine kleine Makrele verirrt hatten — betrachtete ihn kurz von oben bis unten und nickte dann mit der Gelassenheit eines Mannes, dessen Kapazität zur Überraschung schon lange aufgebraucht war.
"Auf einem Wrack gefunden", sagte der Mann zu einem seiner Kollegen. Das war die vollständige Analyse.
"Gerettet", verbesserte der Baron, der sich über das Reling wuchtete und auf dem Deck landete mit der Anmut, die er sich in dreißig Jahren Horsemanship antrainiert hatte, was bedeutete, dass er immerhin nicht stolperte. "Ihr habt mich gerettet. Ein trefflicher Dienst, den ich Euch niemals vergessen werde, sofern ich mich weder verirre noch einen anderen erwähnenswürteren Dienst leiste in der Zwischenzeit." Er schüttelte die Hand des bärtigen Mannes, die dieser ihm nicht gereicht hatte. "Baron Hieronymus Karl Friedrich von Münchhausen. Piratenfreibeuter, Seefahrer, Bezwinger des Großen Meeres und enger persönlicher Berater von mindestens drei Seekönigen, die ich jedoch aus Diskretion nicht beim Namen nennen werde."
Der bärtige Mann sah ihn an. Er sah den durchnässten Samtrock an. Er sah den tropfenden Dreispitz an. Er sah die Krabbe in der Brusttasche an, die nun begann, einen Knopf zu untersuchen.
"Ich bin Gomez", sagte der Mann. "Das ist mein Boot."
"Ein prächtiges Boot", sagte der Baron ohne Pause und klopfte auf das nächste Plankenholz mit der Miene eines Kenners. Gomez' Kutter war ein altes, flickenübersätes Ding mit einem Mast, der in einem Winkel stand, der entweder strukturell beabsichtigt war oder auf ein baldiges Ende hindeutete. "Ich habe schönere gesehen", fuhr der Baron fort, "und ich sage das ohne die Absicht, Euch zu kränken, denn auf diesem Meer ist ein boot, das schwimmt, ein Versprechen wert, und ein Versprechen ist mehr als Gold."
Gomez schnaufte. Es war möglicherweise ein Lachen. Es war nicht eindeutig zu klären.
"Wie seid Ihr da draußen gelandet?", fragte einer der jüngeren Männer — ein schmaler Burscher mit einem Tätowierungsgewirr auf beiden Unterarmen, der die Frage stellte, als sei die Antwort gleichgültig, solange sie unterhaltsam war.
Der Baron ließ sich auf einer Kiste nieder, zog die Krabbe aus seiner Brusttasche und setzte sie, fast zärtlich, auf das Reling, wo sie kurz überlegte und dann ins Wasser kletterte. Er glättete seinen Schnurrbart. Er faltete die Hände. Er entschloss sich.
"Es begann mit einem türkischen Kanone", sagte er, "und dem persönlichen Ersuchen dreier Seekönige."
Keiner der Männer rollte die Augen. Keiner unterbrach. Keiner lachte, außer einmal kurz und anerkennend, an einer Stelle, die der Baron selbst für besonders gelungen hielt.
Das war neu.
In europäischen Salons hatte er gelernt, Unglauben zu navigieren wie Stromschnellen: den skeptischen Zug um den Mund, das leicht erhobene Augenbrauenpaar, das höfliche Räuspern, das bedeutete, dass sein Gegenüber ihn für einen unterhaltsamen Lügner hielt, was ihm gleichgültig war, solange sie ihm Aufmerksamkeit schenkten. Hier war keines davon. Gomez hörte zu mit dem ruhigen Gesicht eines Mannes, der einmal eine Insel hatte davonschwimmen sehen und deshalb für Kanonen und Seekönige durchaus Verständnis aufbrachte. Der tätowierte Bursche nickte zweimal, als hätte er Ähnliches erlebt, nur aus der anderen Richtung. Ein dritter Mann, der bis jetzt auf dem Bugspriet gesessen und Netze geflickt hatte, hörte ohne aufzusehen zu und murmelte bei der Stelle mit dem Sultan irgendwas, das klang wie "die kennen wir hier auch" — was den Baron verwunderte, den er aber aufgrund des Erzählflusses nicht unterbrechen konnte.
Er kam zu den Seemonschtern.
Dies war das Herz seiner improvisierten Biographie — die siebzehn Seemonster, die er vor dem Frühstück bezwungen hatte, von denen das erste ein Tier gewesen war mit Augen groß wie Mühlräder und einem Maul, das er nur durch das gezielte Hineinwerfen seiner eigenen Perücke hatte schließen können (sie war unverdaulich, wie er dem Monster klarzumachen vermochte, indem er ihm, im Inneren des Magens kauend, ein Sonett über die Unbekömmlichkeit von Puder vortrug), während das siebzehnte ein ruhiges, beinahe philosophisches Gespräch zwischen ihm und einem Tintenfisch in der Größe einer Fregatte erfordert hatte, in dessen Verlauf der Baron das Tier davon überzeugt hatte, dass die Meeresoberfläche eine einzige große Täuschung sei und man unter Wasser eigentlich viel bequemer lebte, woraufhin es beruhigt wieder auf den Grund gesunken war.
"Siebzehn", sagte Gomez, als der Baron geendet hatte.
"Vor dem Frühstück", bestätigte der Baron.
Gomez nickte langsam. "Wir hatten letzten Monat einen", sagte er. "Hat das halbe Boot mitgenommen." Er zeigte auf eine Partie am Heck, die tatsächlich mit Holz einer deutlich anderen Maserung geflickt worden war. "Wahrscheinlich gut, dass Ihr ihm Sonette vorgetragen habt."
Der Baron öffnete seinen Mund. Er schloss ihn wieder.
"Ja", sagte er. "Wahrscheinlich."
In diesem Moment, auf diesem fischriechenden, knarrenden, leicht schiefen kleinen Kutter in der Mitte eines Ozeans, der blauer war als jede Vernunft erlaubte, registrierte Baron Hieronymus Karl Friedrich von Münchhausen etwas, das sich anfühlte, als würde das Fundament eines Gebäudes nachgeben, das er für unerschütterlich gehalten hatte. Nicht das Gebäude selbst — das stand noch, prächtig und weithin sichtbar. Aber darunter, ein kleines Schaudern, wie ein einzelner falscher Ton in einer perfekten Arie.
Diese Männer glaubten ihm.
Nicht im Sinne des höflichen Weiterglaubens der Ahnungslosen, nicht mit dem stillen Einverständnis von Leuten, die die Unterhaltung zu wichtig fanden, um sie durch Nachfragen zu ruinieren. Sie glaubten ihm so, wie sie dem Wetter glaubten oder dem Kompass: als Information über die Welt, nützlich und verarbeitbar. Als seien Seekönige mit Kirchenfensteraugen und Tintenfische mit philosophischen Neigungen Tatbestände, die man in sein Bild der Dinge einsortierte und dann damit weiterlebte.
Auf dem Großen Meer, würde er in den nächsten Tagen lernen, war das der Fall.
Die Insel tauchte gegen Nachmittag auf, ein grüner Buckel über dem Horizont, der sich langsam zu einer Küstenlinie mit Hafen, Dächern und dem spezifischen Rauchgemisch entfaltete, das auf Fischräucherei, Schmiede und zu viele Kamine in zu engen Gassen hindeutete. Eine Insel wie viele andere, und doch — das spürte der Baron, der in vierzehn Ländern und auf zwei Kontinenten Häfen angelaufen hatte — eine mit einer bestimmten Energie, die sich schwer benennen ließ. Als lägen die Augen der Bewohner immer leicht über der Schulter des Ankommenden, als erwarteten sie das Nächste, bevor das Gegenwärtige abgeschlossen war.
Gomez lotste den Kutter an den Pier mit einer Sicherheit, die auf Jahrzehnte hindeutete.
"Mercolante", sagte er. "Guter Marktflecken. Bleibt nicht länger, als Ihr müsst, wenn Ihr Ärger vermeiden wollt. Und vermeidet die Taverne am Südkai nach Einbruch der Dunkelheit."
"Ich suche den Ärger nicht", sagte der Baron, "er findet mich aus eigener Initiative. Es ist eine Frage der Reputation."
Gomez betrachtete ihn kurz. "Die hab ich", sagte er, "auch schon gemerkt."
Die Laufplanke knallte auf den Steg. Der Baron schritt hinunter mit der Haltung eines Mannes, dem ein Empfangskomitee zusteht, obwohl keines vorhanden war. Der Kai roch nach getrocknetem Seegras, verbranntem Holz und dem Geruch von Leuten, die mit dem Meer arbeiteten, einem Geruch, der weltweit ähnlich, aber überall leicht anders war, und dieser hier hatte etwas Schwereres, als wäre selbst die Luft auf dem Großen Meer von etwas durchdrungen, das keine Entsprechung hatte.
Hinter ihm rief Gomez: "Der Mann hat siebzehn Seemonster erledigt! Vor dem Frühstück!"
Er rief es in den Hafen, in die Richtung von zwei anderen Fischern, die Netze ausbreiteten, und zu einem alten Mann, der auf einer Kiste saß und nichts Bestimmtes tat. Der Baron wandte sich kurz um. Er wollte etwas sagen — eine Einschränkung, eine Kontextualisierung, möglicherweise. Irgendetwas.
Gomez winkte ihm zu, breit und ohne Ironie.
Die alte Mann auf der Kiste nickte und sagte: "Kenne ich einen, der hat zwanzig gemacht. Aber siebzehn ist respektabel."
Der Baron drehte sich wieder um. Vor ihm: die Gassen von Mercolante, die Rauchsäulen, das Stimmengewirr eines Marktes, der Geruch nach geröstetem Fleisch irgendwo weiter oben in der Stadt. Hinter ihm: das Große Meer, blau wie eine Behauptung.
Er legte die Hände auf den Rücken. Er trat den ersten Schritt.
Eine Legende, dachte er, braucht einen Ort. Dieser hier würde vorläufig genügen.
Doch selbst während er durch das erste Tor der Stadt schritt, blieb das Schaudern. Dieses kleine, hartnäckige Schaudern, das sich nicht mit Schnurrbart-Glätten vertreiben ließ. Denn ein Mann, der sein ganzes Leben lang gelogen hatte, weiß eines mit Sicherheit: Er weiß, wie Unglaube aussieht. Und er weiß, wie Glaube aussieht. Und er weiß, und das ist das Eigentümlichste, wie Wahrheit aussieht.
Und auf dem Gesicht von Gomez, als er die siebzehn Seemonster beschrieben hatte, hatte er alle drei auf einmal gesehen.
Das war entweder sehr gut oder sehr schlecht. Er würde diese Frage zu einem späteren Zeitpunkt erörtern, wenn keine unmittelbaren Mahlzeiten zur Debatte standen. Ein Baron muss Prioritäten setzen.
Er entschwand in das Gewirr der Gassen, der Dreispitz noch tropfend, der Schnurrbart noch prächtig, und irgendwo auf dem Kai sprach Gomez weiter, ruhig und vollständig sachlich, und die Leute hörten zu, und nickten, und der Name Münchhausen begann seine erste kleine Reise durch einen Hafen auf einem Meer, das keine guten Lügner kannte, weil es keine Lügner brauchte.
Hier wurden die Unmöglichkeiten einfach wahr.
Ob man sie sich ausgedacht hatte oder nicht, war eine Frage, über die sich das Meer keine Meinung bildete.