Chapter Two: Mara Enters the Wood Alone

Der Morgen hatte die Farbe von altem Zinn, als Mara das Haus verließ.

Sie zog die Tür hinter sich ins Schloss, leise, damit niemand aufwachte — obwohl niemand da war, dem ihr Aufwachen hätte auffallen können. Der Onkel hatte gestern Abend bereits geschlafen, oder zumindest die Augen geschlossen, was bei ihm auf dasselbe hinauskam. Sie trug den Korb in der Beuge des linken Arms, die Decke darüber sorgfältig gefaltet, wie er es ihr gezeigt hatte. Den Umhang hatte sie zum letzten Mal vor dem Schlafengehen angezogen, und er saß schwerer als sie ihn in Erinnerung hatte — das Tuch war dicht gewebt, die Farbe ein tiefes, sattes Rot, das in dem grauen Morgenlicht fast schwarz wirkte.

Der Weg vom Dorf zum Waldrand war ihr vertraut bis in die kleinsten Unebenheiten des Bodens. Sie kannte die Stelle, wo der Brunnenrand auf der linken Seite begann und die Pflastersteine aufhörten. Sie kannte das knarzende Gatter des Schmiedhofes, das immer einen Augenblick später nachgab, als man erwartete. Sie kannte den Geruch der Bäckerei, die schon um diese Stunde arbeitete, und wie er sich mischte mit dem feuchten Geruch des Grabens, der an der Südseite des Dorfes entlangführte. Das alles kannte sie.

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Chapter Two: Mara Enters the Wood Alone — Das Rote Schweigen | GenNovel