Chapter One: "I Have Swum Worse Seas in My Dressing Gown" — The Baron Arrives Without Being Invited

Das Salzwasser schmeckte nach Kupfer und fernen Kontinenten.

Baron Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen öffnete ein Auge, dann das andere, dann beide gleichzeitig, was er für angemessener hielt. Über ihm wölbte sich ein Himmel von einer Bläue, die man in Hannover schlicht nicht duldete — zu unverschämt, zu ungebärdig, ohne jede höfische Zurückhaltung. Das Holz unter seinem Rücken knackte bei jedem Wellenschwung, als würde es seinen letzten Willen diktieren. Er bemerkte, dass er auf einem Floß lag. Er bemerkte ferner, dass das Floß sich mitten auf einem Ozean befand. Er schloss beide Augen wieder, atmete einmal mit der Würde eines Mannes aus, dem solche Kleinigkeiten schon immer zu Unrecht viel Aufmerksamkeit eingebracht hatten, und setzte sich auf.

Sein Zylinderhut saß noch. Das war das Wesentliche.

"Nun", sprach er in die Stille, und seine Stimme trug über das Wasser wie die einer Kanone, die beschlossen hat, heute Abend Opern zu singen, "nun befinde ich mich also erneut in einer Situation, die der gemeine Mann als aussichtslos bezeichnen würde."

Er machte eine bedeutungsvolle Pause.

"Der gemeine Mann irrt sich, wie üblich."

Das Floß — vier morsche Planken, die einander durch puren Gemeinschaftssinn zusammenhielten — schaukelte zustimmend. Oder zumindest nicht widersprüchlich, was der Baron als Zustimmung zu werten beschloss. Er stand auf, was eine beachtliche Leistung war, da das Floß kaum größer als ein gehobener Esstisch war und die See sich ausdrücklich unkooperativ verhielt. Er stand trotzdem, weil er es immer tat.

Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen war nicht groß im Sinne bloßer Körpergröße — obwohl er das selbstverständlich auch war. Er war groß im Sinne einer Raumfülle, die nichts mit tatsächlichen Maßen zu tun hatte. Weißes Haar, das der Wind in eine Richtung trieb, die es möglicherweise selbst gewählt hatte. Ein Schnurrbart von solcher Monumentalität, dass Architekten der Epoche ihn als strukturelles Vorbild hätten konsultieren sollen. Ein roter Rock, der — trotz aller Unbillen des Meeres — immer noch einen Anflug von Zeremonie ausstrahlte, als sei er aus Prinzip nicht bereit, zerknittert zu wirken. Und die Augen: das unruhige Graugrün von jemandem, der noch nie in seinem Leben aufgehört hatte, etwas für unbedingt möglich zu halten.

Er schaute nach links. Wasser. Er schaute nach rechts. Mehr Wasser. Er schaute nach vorne und nach hinten, mit demselben Ergebnis.

"Bemerkenswert", sagte er. "Es ist fast identisch mit dem Indischen Ozean, den ich anno 1762 durchquert habe, indem ich auf meiner Perücke segelte. Allerdings" — er hob einen Finger — "war die Strömung damals freundlicher. Die Strömung kannte noch Manieren."

Er begann, seinen Schnurrbart zu glätten. Es war eine Geste, die er einsetzt, wenn andere Menschen nachdenken.

Wie er hierher gekommen war, ließ sich mit einiger Mühe rekonstruieren. Es hatte eine Abendgesellschaft gegeben, beim Grafen von Irgendwas-ich-erinnere-mich-nicht-genau, und es hatte seinen wunderbaren Burgunderwein gegeben, und es hatte eine Wette gegeben bezüglich des Mondes und der Frage, ob man ihn von einem tüchtigen Kanonenschuss aus erreichen könne, und dann — eine Lücke, die er der Unzuverlässigkeit der Erinnerung zuschrieb und nicht etwa dem Burgunder — und dann war dies hier.

Das Seltsame war nicht die Lücke. Das Seltsame war das Wasser selbst.

Es leuchtete. Nicht auf offensichtliche Weise, nicht wie Biolumineszenz, die er kannte und für eine nette Eigenschaft hielt, die Ozeane nun einmal hatten, wenn sie gebildet waren. Sondern tiefer. Als ob das Meer selbst aus einer anderen Art von Licht gemacht wäre, einer grundlegenderen Sorte. Als ob dies kein gewöhnlicher Ozean sei, sondern ein Ozean, der es wirklich ernst meinte mit dem Ozean-Sein.

Der Baron runzelte die Stirn.

Dann hörte er es.

Ein Geräusch wie tektonische Platten, die ihre Meinungsverschiedenheiten klären. Ein Rumpeln, das man im Brustkorb spürte, bevor man es mit den Ohren verarbeitete. Das Wasser um das Floß begann sich kreisförmig zu bewegen, zuerst langsam, dann mit einer Entschlossenheit, die auf Entschlusskraft schließen ließ.

Das Ding, das aus dem Meer stieg, ließ sich schwer beschreiben. Das hielt es nicht davon ab, zu steigen.

Es war ein Kopf, zunächst. Ein Kopf von der Größe einer kleinen Pfarrkirche, mit Augen so groß wie Fischerboote und dem entschlossenen Gesichtsausdruck von jemandem, der gerade beschlossen hat, zu Mittag zu essen. Dann folgte ein Hals, der durchaus als Turm hätte durchgehen können, dann Schultern, die das Wort "Schultern" beleidigten, weil sie so viel mehr waren als das. Der Rest blieb unter Wasser, was möglicherweise eine Gnade war.

Das Wesen — später würde Münchhausen erfahren, dass man solche Kreaturen in diesen Meeren Meereskönige nannte, ein Titel, den er für übertrieben hielt, aber nicht grundsätzlich bestritt — öffnete den Rachen. Der Atem, der herausströmte, roch nach abyssalen Tiefen und allen Mahlzeiten der letzten sieben Jahre.

Der Baron betrachtete das Maul, das sich über ihm auftat wie eine Einladung in eine feuchte Hölle.

Dann räusperte er sich.

"Einen Augenblick, wenn ich bitten darf."

Das Maul pausierte. Möglicherweise aus Überraschung. Niemand hatte je zuvor gebeten.

"Ich bin Baron Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen, Hannover, auf Reisen." Er vollführte eine Verbeugung, die unter den gegebenen Umständen außerordentlich kontrolliert war. "Und ich fürchte, Sie verhalten sich im Moment in einer Weise, die ich nur als mangelnde Professionalität bezeichnen kann."

Das Maul schwebte. Die Augäpfel — beide — rotierten langsam in eine Position, aus der sie den kleinen weißhaarigen Mann auf dem kleinen krachenden Floß besser betrachten konnten.

"Sehen Sie", fuhr der Baron fort, und er verschränkte die Hände hinter dem Rücken, als hielte er einen Vortrag in einem gut geheizten Salon, "ich habe in meiner Zeit auf See Begegnungen mit Seewesen aller Art gehabt. Mit dem Haifisch der norwegischen Küste, mit dem Kraken des Mittelmeers, mit dem Ungeheuer des Genfer Sees — das, wenn ich ehrlich bin, in jenem Moment schlechter Laune war als Sie. Was ich in keiner dieser Begegnungen je erlebt habe, ist folgendes: dass eine Kreatur von offensichtlichem Rang und Kaliber sich dazu herablässt, einen Reisenden von internationalem Ruf zu verspeisen, ohne sich wenigstens vorzustellen."

Eine sehr lange Pause folgte.

"Es ist", sagte er, mit dem Tonfall eines Mannes, der über den Verfall gesellschaftlicher Sitten aufrichtig bekümmert ist, "schlicht nicht erträglich."

Das Maul schloss sich. Nicht weit — aber es schloss sich.

Der Meereskönig betrachtete ihn weiter. In den riesigen Augen stand etwas, das sich schwer klassifizieren ließ. Vielleicht Verwirrung. Vielleicht etwas, das in einem Wesen dieser Größe entfernt an Gewissensregung grenzte.

Der Baron wartete. Er konnte warten. Er hatte einmal neun Wochen auf dem Mond gewartet, bis die Wetterlage günstig genug für die Heimreise war. Geduld war keine Tugend, die ihn überforderte.

Das Ding sank.

Langsam, unwillig, mit der gekränkten Würde eines Wesens, das sich etwas anderes vorgestellt hatte. Das Wasser schloss sich über ihm, das Rumpeln verkehrte sich, und die kreisförmige Bewegung des Meeres glättete sich zu gewöhnlichen Wellen. Als wäre nichts gewesen. Als hätte sich der Ozean eben kurz geirrt und die Sache nun korrigiert.

Münchhausen nickte einmal, mit einem Ausdruck von gemäßigter Befriedigung.

"So ist es recht", sagte er.

Dann sah er zum ersten Mal die Insel.

Sie lag zwischen den Wellen wie ein Gedanke, dem jemand keine besondere Sorgfalt gewidmet hatte: ein Hügel, Fischerhäuser, die in der Art und Weise angeordnet waren, wie Häuser sich anordnen, wenn ihnen niemand gesagt hat, dass sie es tun, und ein kleiner Hafen mit Booten, die in verschiedenen Stadien des Zweifels an sich selbst lagen. Über dem Ganzen hing der Geruch von Salz, geräuchertem Fisch und der spezifischen Erschöpfung von Menschen, die jeden Morgen aufstehen und dasselbe tun.

Das Floß, als hätte es auf eine Richtung gewartet, trieb darauf zu.

Münchhausen strich seinen Rock glatt, platzierte den Zylinder einen halben Zentimeter tiefer auf dem Kopf — der klassische Winkel, der sagte: ankündigbar, aber unberechenbar — und beobachtete die Annäherung mit dem Wohlgefallen eines Mannes, der in einem unbekannten Hafen eine belebende Gelegenheit wittert.

Das Floß schabte auf Kiesel. Er stieg aus, wobei er den feuchten Lederschuh mit einem Ausdruck bedachte, der klarmachte, dass er ihn nicht für verantwortlich hielt, jedoch auch nicht für unschuldig.

Der erste Mensch, der ihn sah, war ein Kind, das Netze flickte und jetzt damit aufgehört hatte. Dann ein alter Fischer, der sein Boot teerte und nun mit dem Pinsel in der Luft saß. Dann eine Frau mit einem Korb, die stehen geblieben war. Dann mehr — in der langsamen Ausbreitung, die entsteht, wenn eine Seltsamkeit auf das Alltägliche trifft und das Alltägliche nicht weiß, wie es reagieren soll.

Sie starrten ihn an. Münchhausen ließ die Starre sich vollständig entfalten, weil er die theatralische Pause zu schätzen wusste.

"Guten Tag", sagte er dann, auf Deutsch, dann auf Französisch, dann in einem Englisch, das mehr Absicht als Grammatik war. "Baron von Münchhausen, auf Reisen. Ich komme soeben von einer kurzen Auseinandersetzung mit dem Meeresgetier, die ich, wie Sie sehen, zu meinen Gunsten entschieden habe. Ich nehme an, dies ist der Hafen?"

Schweigen. Das gründliche, zögernde Schweigen von Menschen, die gelernt haben, dass Fremde im besten Fall Komplikationen bedeuten.

Ein Mann trat vor, Ende fünfzig, mit einem Gesicht, das aussah, als hätte es sich mit dem Wetter auf einen Nichtangriffspakt geeinigt, und schüttelte langsam den Kopf. Nicht als Verneinung. Als Reaktion auf etwas, das er noch nicht ganz fasste.

"Du kommst vom Meer", sagte er, auf einem Dialekt, den der Baron nicht kannte, der aber klar genug war. "Allein."

"Auf einem Floß", ergänzte die Frau mit dem Korb, und in ihrer Stimme lag etwas, das keine Frage war, aber wie eine klang.

"Korrekt auf beiden Punkten", bestätigte Münchhausen. "Das Floß lasse ich Ihnen, sofern Sie Verwendung dafür haben. Es hat mich loyaler getragen, als man bei vier Planken erwarten darf."

Er schaute sich um. Die Häuser, die er sah, trugen Anzeichen von — nun, er kannte den Ausdruck nicht auf Anhieb, aber er kannte das Aussehen. Fensterläden, die einmal repariert worden waren und seitdem nicht wieder. Netze, die alt genug waren, um eine Geschichte zu haben. Die Art von Sauberkeit, die entsteht, wenn man nichts hat, das man als Schmuck verwenden könnte, und deshalb alles andere scheuert. Armut, die ihr Bestes tat, Würde zu bleiben.

"Was für eine Insel ist dies?", fragte er, mit echtem Interesse.

"Fischers-Insel", sagte der Mann mit dem Wetter-Gesicht. Und dann, nach einer Pause, in der sich etwas in seinem Blick verschob — etwas Vorsichtigeres: "Und Sie sollten wissen, Fremder, dass wir wenig zu bieten haben. Weniger als sonst. Der Tribut" — er stockte, als schmerze das Wort im Mund — "fällt bald wieder an."

Münchhausen horchte auf. "Tribut?"

"Scarletta", sagte die Frau, und in ihrem Mund klang der Name wie eine Diagnose.

Er sah, dass die anderen Gesichter bei dem Wort etwas taten: sich schlossen, wie Fensterläden bei aufziehendem Sturm. Nur das Kind, das die Netze geflickt hatte, schaute noch offen — mit der Neugier dessen, der noch nicht gelernt hat, Angst wie ein Kleid zu tragen.

Der Baron betrachtete die Insel, ihre Menschen, ihre Erschöpfung. Er betrachtete den Hafen, der in einem anderen Leben freundlicher ausgesehen haben musste. Er betrachtete den Horizont, von dem er gerade gekommen war, und den Horizont, auf dem noch nichts zu sehen war — noch nicht.

Er strich seinen Schnurrbart.

Dann lächelte er, mit der Wärme eines Mannes, dem eine großartige Geschichte eingefallen ist, von der er nur noch nicht sicher weiß, welcher Teil er selbst darin sein wird.

"Nun, meine Damen und Herren", sagte Baron Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen, "ich glaube, ich werde ein paar Tage bleiben."

Niemand hatte ihn eingeladen. Er bemerkte das nicht.

Und die Insel — die erschöpfte, tributgeplagte, hoffnungsarme kleine Insel — hielt den Atem an, weil etwas in der Art, wie der Fremde lächelte, klarmachte, dass er es vollständig ernst meinte.

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