Der Morgen über den Eisenfenmooren kam nicht als Licht, sondern als eine Verminderung der Dunkelheit — ein langsames, widerwilliges Nachlassen der Schwärze, das den Nebel enthüllte, der seit dem Abend auf dem Sumpfgras stand, dicht und gleichgültig, als hätte er keine Kenntnis von dem, was er bedeckte.
Roward von Steinmark hatte nicht geschlafen. Nicht weil die Nacht zu kurz gewesen wäre, sondern weil das, was eine Nacht vor einer Entscheidungsschlacht von einem Mann verlangt, nicht Schlaf ist, sondern jene besondere Form der Wachheit, die sich selbst für Vorbereitung hält und meistens nur Angst in geordneter Kleidung ist. Er hatte die Karten dreimal geprüft, obwohl er sie auswendig kannte. Er hatte mit Gerulf Brandtheim gesprochen, dessen Stimme die Qualität langer Erfahrung angenommen hatte, die klingt wie Gelassenheit und meistens auch welche ist. Er hatte den linken Flügel nochmals reiten lassen, um das Sumpfgelände zu testen, das seine Kundschafter als passierbar, seine Kartenmacher als problematisch und sein eigenes Gefühl als entscheidend beschrieben hatten.
Der Feind — das Kronwaldheer unter Feldmarschall Estorn Drax, einem Mann, den Roward aus einem einzigen Treffen vor sechs Jahren kannte und dessen Sorgfalt er respektierte und dessen Sorgfalt er zu besiegen beabsichtigte — stand jenseits des Eisenfenübergangs, wo die alte Steinbrücke die einzige trockene Querung über den Moorstreifen bildete, der sich in dieser Jahreszeit drei Meilen in beide Richtungen erstreckte. Drax hatte die Brücke befestigt und den Ostuferstreifen mit Infanterie besetzt. Er wartete. Das war sein Plan: warten, den Übergang teuer zu machen, den Steinmark-Vormarsch zu erschöpfen.
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