Das Meer war, am frühen Morgen, von jener Farbe, die keine Farbe hat: ein Grau, das sich in der Stunde vor dem Aufgang der Sonne nicht entschließen kann, ob es noch Nacht oder schon Dämmerung sein will, und das diese Unentschlossenheit mit einer Würde trägt, die menschliche Verhältnisse selten erreichen. Die Flotte der Daenis Valdoriel lag in diesem Grau wie eine Absichtserklärung auf ungültigem Papier: dreiunddreißig Schiffe, die über drei Jahre und zwei Fürstenhöfe zusammengebettelt, -gemietet und -erhandelt worden waren, nun geordnet in der Formation, die Flottenadmiral Caros Thentis als angemessen bezeichnet hatte, was bedeutete, daß die Flagge des Valdoriel-Hauses — Silberschwinge auf tiefblauem Grund, ein Wappen, das seit einer Generation kein Amt mehr bekleidete — an dem einzigen Mast wehte, der hoch genug war, um sie aus der Distanz zu erkennen.
Daenis selbst stand am Bug.
Dies war keine Zufälligkeit; wer sie kannte, wußte, daß sie selten an einem Ort stand, an dem sie nicht zuvor darüber nachgedacht hatte, wie sie von dort aussehen würde, was kein Ausdruck von Eitelkeit war, sondern von jenem tiefen, methodischen Verständnis für die Grammatik des Eindrucks, das die Höfe zweier Königreiche ihr über zweiundzwanzig Jahre beigebracht hatten, beginnend mit dem Tag, an dem sie Valdoria mit zwölf Jahren auf einem Fischerboot verlassen hatte, ohne Gepäck und mit einer älteren Magd, die unterwegs starb, und deren Namen die Chronisten vergessen haben, weil er im Vergleich zur Überlebenden nicht von Belang schien.
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