Chapter Eleven: Saphira Learns the Uses of Silence

Die Trauer, hatte Saphira in den ersten Tagen nach der Hinrichtung festgestellt, besaß eine eigene Etikette — nicht unähnlich der des Hofes, nur strenger und weniger verhandelbar. Man durfte weinen, aber nur in bestimmten Zimmern und zu bestimmten Stunden; man durfte schweigen, aber das Schweigen mußte die richtige Qualität haben, die eines temporären Rückzugs und nicht eines dauerhaften Urteils. Cerwyn Kronwald, die sich in all diesen Dingen auskannte wie ein Architekt in seinen eigenen Bauplänen, hatte Saphira drei Tage Zimmerpflege gewährt — mit der beiläufigen Selbstverständlichkeit einer Geste, die als Großmut gemeint war und als Kalkulation gemeint war und beides gleichzeitig sein konnte, ohne daß dies irgend jemanden hätte stören müssen.

Am vierten Tag erschien die Hofdame Lissenne an Saphiras Tür und teilte ihr mit, daß das Frühstück in dem kleineren der beiden Morgensalons serviert werde, in einer halben Stunde, und daß die Regentin hoffe, Saphira möge sich erholt genug fühlen, um teilzunehmen. Die Formulierung enthielt keine Frage.

Saphira kleidete sich an. Sie wählte das graue Kleid, nicht das schwarze — das Schwarze hätte Sprache gehabt, hätte etwas behauptet, wogegen das Grau sich der Deutung entzog. Sie band ihr Haar einfach zurück. Sie prüfte im Spiegel nicht, ob sie gut aussah, sondern ob sie unauffällig aussah, und entschied, daß beides in diesem Haus auf das Gleiche hinauslief.

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Chapter Eleven: Saphira Learns the Uses of Silence — Das Erbe des Adlers: Chronik des Hauses Steinmark | GenNovel