Chapter Two: The Hollow Morning After Virtue

Das Licht kam nicht von der Sonne, sondern von dem Moment, in dem die Kerze endlich erlosch.

Faustus bemerkte es nicht sofort. Er saß noch immer, den Rücken ein wenig vorgebeugt, die Hände flach auf den aufgeschlagenen Seiten des Augustinus, und irgendwann war das Kerzenlicht verschwunden und das Grau des frühen Morgens hatte es abgelöst, still und ohne Ankündigung, wie ein Dieb, der nichts von Wert zu stehlen findet. Draußen begann eine Amsel. Dann verstummte sie wieder, als hätte sie sich besonnen.

Er stand auf. Das Gelenk des rechten Knies meldete sich mit der vertrauten Schärfe eines alten Vorwurfs, und er streckte das Bein, ging zur Fensterfront, lehnte die Stirn nicht gegen das Glas — das wäre Theatralik gewesen — sondern stand einfach dort und sah auf den Hof, auf den ersten zähen Rauch aus dem Küchenschornstein von Klaras Haus, auf den Kastanienbaum, dem der Oktober die letzten Blätter einzeln ausgezogen hatte.

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Chapter Two: The Hollow Morning After Virtue — Das verworfene Siegel | GenNovel