Er fand sie am Morgen am Osttor, wo sie stand und eine Klinge wetzt.
Nicht weil die Klinge es nötig gehabt hätte. Das sah er sofort. Die Schneide war bereits scharf genug, um Licht zu teilen. Sie wetzte, weil es ihr half, stillzuhalten.
Hilda Vorn war kleiner, als er erwartet hatte. Was er erwartet hatte, wusste er nicht genau, aber die Frau, die er im Gildenflur auf sich zukommen sah, passte zu keinem der Bilder, die sein Verstand in der schlaflosen Nacht für ihn entworfen hatte. Sie trug kein Abzeichen, kein Gildenzeichen, keinen Schulterschutz aus Leder. Ihre Kleidung war dunkelgrau und gut abgewetzt, auf eine Art, die nicht Armut anzeigte, sondern Geduld. Sie hatte das Gesicht einer Frau, die schon mehr Morgengrauen gesehen hatte als die meisten Menschen überhaupt zählen konnten, und die Augen, die sie auf ihn richtete, als er näher trat, waren weder freundlich noch unfreundlich. Sie waren wie Kiesel in einem Flussbett: glatt und unbewegt von dem, was über sie hinwegfloss.
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