Die Gesellschaft der Fürstin fand in den kleinen Salons des Nordtrakts statt, jenen drei miteinander verbundenen Räumen, die unter Roberts Vater noch als Musikzimmer gedient hatten und deren Wandbespannungen in einem verblassten Grünblau gehalten waren, das einstmals modisch gewesen sein mochte und nun bloß noch alt wirkte — nicht unwürdig, aber definitiv von gestern, wie so vieles in diesem Hause. Eduard war früh, was er sogleich als taktischen Fehler erkannte; wer zu einer Abendgesellschaft der Fürstin als erster erschien, hatte entweder keinen Begriff von Hof oder gab zu erkennen, dass er einen solchen Begriff sehr wohl besaß und ihn trotzdem missachtete. Beides war ungünstig. Er stellte sich an das Fenster und betrachtete den Schlossgarten im Dunkeln, bis die zweiten und dritten Gäste eintrafen und seine Frühankunft in der allgemeinen Bewegung unterging.
Es waren ihrer vierzehn, nach Eduard. Er kannte die Hälfte dem Namen nach; drei hatte er in der vergangenen Woche flüchtig bei Tisch gesehen; von zweien wusste er nur, dass sie zur engeren Gefolgschaft der Fürstin zählten, was hinreichend war. Ein Hauptmann der Hausgarde, dessen Anwesenheit in dieser Gesellschaft Eduard als kleinen Hinweis registrierte, ohne sogleich zu entscheiden, worauf. Ein älterer Jurist namens Brennecke, der Waldenfels' interne Rechtsangelegenheiten verwaltete und Eduard am dritten Tag seines Amtes mit der spezifischen Herzlichkeit begrüßt hatte, die Männer zeigen, wenn sie zugleich froh und besorgt sind, einen neuen Vorgesetzten zu haben. Ansonsten: Damen aus dem Hofstaat, Ehemänner in angemessenen Abständen, ein junger Attaché mit dem glatten Gesicht der Unerfahrenheit.
Ceroline von Waldenfels empfing jeden Ankömmling mit derselben Geste — eine leichte Neigung des Kopfes, die Hände kurz vorgestreckt und sogleich wieder zurückgezogen, als sei die Nähe angeboten und höflichkeitshalber nicht erzwungen. Eduard hatte in seinem Leben Frauen gekannt, die schön waren, und Frauen, die klug waren, und einige wenige, bei denen beides so vollständig ineinanderging, dass man versucht war zu vergessen, in welchem Verhältnis die beiden Eigenschaften zueinander standen. Ceroline war so eine Frau, und er hatte sich auf dem Weg hierher vorgenommen, das nicht zu vergessen.
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