Der folgende Morgen brachte Brennecke.
Das Gespräch mit dem Juristen dauerte nicht lang und ergab weniger, als Eduard erhofft hatte, aber mehr, als er sich gewünscht hätte zu erfahren. Brennecke empfing ihn in seinem Arbeitszimmer im Südtrakt mit der Herzlichkeit eines Mannes, der Herzlichkeit als Schutzmittel versteht, und sprach über Hartmann und Seidelmann in der sorgfältig entleerten Sprache, die in diesem Schloss offenbar für alles Unangenehme reserviert war: Hartmann litt an einer Erkrankung der Lunge, die eine Reise ins Gebirge erforderlich gemacht hatte; Seidelmann hatte familiäre Verpflichtungen zitiert, die seine Rückkehr auf das Gut unaufschiebbar machten. Ob er, Brennecke, die genauen Umstände kenne? Er setzte eine bedauernde Miene auf, die Eduard an das Gesicht einer sehr gut erzogenen Wand erinnerte. Man sei eben in solchen Dingen auf Diskretion angewiesen.
Eduard hatte nicht gedrängt. Er hatte Brennecke stattdessen nach einem Nebenpunkt der Erbfolge-Klausel gefragt, einer Formalität, und die Antwort war vollkommen korrekt und vollkommen folgenlos gewesen. Auf dem Weg zurück in sein Amtszimmer hatte er registriert, dass Brennecke ihm nachgesehen hatte, länger als nötig.
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