Chapter Eight: Daniela von Feuersborn Crosses the Steppe Border

Der Zollposten am Ostpass bestand aus einem hölzernen Schlagbaum, einem steinernen Häuschen mit undichtem Dach und einem einzigen Beamten namens Wenzel Hartig, der seit siebenundzwanzig Jahren an dieser Stelle seinen Dienst versah und in diesen siebenundzwanzig Jahren ungefähr alles gesehen hatte, was eine Grenzlinie sehen kann: Schmuggler, Flüchtlinge, verlorene Kaufmannstöchter, einen preußischen Hauptmann ohne Papiere, zwei Bischöfe in Verkleidung und einmal, Gott sei Zeuge, einen Bären mit einem Seil um den Hals, den niemand beanspruchte. Was er an jenem Dienstag des frühen Oktober sah, ordnete er zunächst in die Kategorie des Gewöhnlichen ein, weil es das war, was man nach siebenundzwanzig Jahren mit allem tut.

Der erste Reiter erschien gegen Mittag.

Er war auf einem Steppenpferd, kleiner und gedrungener als die Tiere aus dem westlichen Gestüt, mit einem Sattel, den Hartig nicht kannte, und einer Rüstung, die kein Leder und kein Eisen war, sondern irgendetwas dazwischen, gelblich und verarbeitet mit einer Sorgfalt, die an Handwerk grenzte. Der Mann sprach vier Wörter Westermarkisch: den Namen eines Passes, eine Zahl, und das Wort für Durchlass. Hartig, der die Situation mit der Routine des Erfahrenen abhandelte, verlangte den Passierschein, erhielt ein Dokument in einer Schrift, die er nicht lesen konnte, und bemerkte in dem Moment, als er den Schlagbaum hob, dass hinter dem ersten Reiter noch weitere kamen. Viele weitere. Er zählte bis achtundzwanzig, bevor er aufhörte zu zählen, weil die Zahl aufhörte, für ihn praktische Bedeutung zu haben.

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Chapter Eight: Daniela von Feuersborn Crosses the Steppe Border — Das Erbe des Eisernen Throns – Der Verfall der Westermark | GenNovel