Der Zug, mit dem Gregor fuhr, stand auf keinem Aushang des Westbahnhofs, was er erst bemerkte, nachdem er zwanzig Minuten lang die gerahmten Fahrpläne studiert hatte, die an der Eingangshalle in einer Reihe hingen wie Bilder in einer Galerie, die man besucht, ohne etwas kaufen zu wollen. Perron neun war auf den Tafeln schlicht nicht vermerkt — nicht als gesperrt, nicht als außer Betrieb, nicht als vorübergehend umgeleitet, sondern vollständig abwesend, als wäre die Nummerierung von acht auf zehn gesprungen, weil neun eine Kategorie bezeichnete, für die kein öffentlicher Bedarf bestand.
Er fand den Perron dennoch, indem er einer kleinen Gruppe von vier oder fünf anderen Reisenden folgte, die sämtlich Gepäck trugen, das zu ordentlich für Touristen war, und die alle in dieselbe Richtung gingen, ohne miteinander zu sprechen. Keiner von ihnen schien die Abwesenheit der Beschilderung als bemerkenswert zu empfinden. Gregor empfand sie als bemerkenswert, aber da auch er in dieselbe Richtung gehen wollte, folgte er ihnen, und das Ergebnis war dasselbe.
Der Zug selbst war von normaler Erscheinung: vier Waggons in dem spezifischen Grün der österreichischen Bundesbahnen, leicht ausgeblichen, mit kleinen Messingnummernschildern neben den Türen. Das einzige Besondere war ein zusätzlicher Aufkleber an den Fenstern der dritten Klasse, gedruckt auf amtlichem Papier mit dem Briefkopf der Verwaltungsbehörde für Magische Einschreibungen, der anzeigte, dass die Beförderung im Rahmen von Dienstordnung 17-F, Absatz 3, Unterabsatz ii erfolge und dass Fahrgäste mit ausstehender Klassifizierung ihre Dokumente während der gesamten Reise zugänglich zu halten hätten. Gregor hielt sein Formular 12-R zugänglich. Es half ihm nicht dabei, einen Sitzplatz zu finden, da alle Fensterplätze bereits besetzt waren, aber er hielt es zugänglich.
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