Rosa Stark trank ihren Morgenkaffee immer stehend.
Sie hatte es sich angewöhnt in den Jahren, als der zweite Bürgermeister noch gelebt hatte und man in seinem Vorzimmer nie wußte, ob man saß oder schon fort war. Wer saß, wartete. Wer stand, handelte. Das war der Unterschied, den die meisten Männer in jenem Vorzimmer nie begriffen hatten. Rosa hatte ihn am ersten Tag begriffen und sich seitdem den Kaffee in die Hand genommen, ehe der Morgen ihr etwas anderes anbieten konnte.
An diesem Morgen stand sie also am Fenster ihres Büros im zweiten Stock des Stadtarchivs, die Tasse in der linken Hand, mit der rechten die Post, und der Regen von der vorigen Nacht lag noch auf den Kopfsteinen des Platzes wie eine frische Wunde, blank und grau.
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