Die Abtei des heiligen Gregor lag in einem Talkessel, den die Umgebung vergessen zu haben schien – nicht weil er schwer zu finden gewesen wäre, sondern weil das Land ringsum an ihm vorbeiging wie Wasser an einem Stein, der schon so lange im Bachbett liegt, dass niemand mehr bemerkt, wie er die Strömung teilt. Marta hatte den schmalen Pfad hinaufgefunden, indem sie einem Bauern aus Kehrenbach gefolgt war, der zwei Körbe Hirse brachte und keine Antworten auf Fragen, die sie ohnehin nicht gestellt hatte; er hatte vor dem Tor abgeladen, drei Mal mit dem Knöchel gegen das Holz geschlagen und war, ohne zu warten, den Hang wieder hinabgestiegen. Das Tor hatte sich eine halbe Stunde später geöffnet. Marta stand noch immer davor, weil ihr nirgendwo sonst einfiel, wohin sie hätte gehen sollen.
Bruder Anselm, der das Tor geöffnet hatte, war ein kleiner Mann mit dem Gesicht einer Kartoffel und den Händen eines Schmieds, der seit zwanzig Jahren keine Gelegenheit gehabt hatte, seinen Beruf auszuüben. Er hatte Marta angesehen. Er hatte die Körbe angesehen. Er hatte Brun angesehen, der hinter Marta stand mit dem Gleichmut eines Mannes, der gelernt hat, das eigene Erscheinungsbild nicht als erklärungsbedürftig zu betrachten. Dann hatte er die Körbe hereingetragen und die Tür nicht geschlossen, was Marta als Einladung deutete, obwohl es möglicherweise einfach Gleichgültigkeit war.
Das war im Oktober gewesen, an einem jener Tage, an denen der Herbst nicht mehr die Absicht hegte, warm zu bleiben.
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