Chapter 9: Hedwig and the Queen's Confidences

Das siebte Jahr ihrer Gefangenschaft unterschied sich vom ersten hauptsächlich darin, dass Hedwig von Waldenfels aufgehört hatte, es als Gefangenschaft zu bezeichnen — jedenfalls in den Gedanken, die sie vor anderen dachte, und da die Grenze zwischen jenen Gedanken und den übrigen sich unmerklich verschoben hatte, war die Unterscheidung vielleicht müßig geworden.

Sie war neunzehn Jahre alt. Sie trug das Haar so, wie man es am Hof von Karanthor trug, aufgesteckt mit zwei silbernen Nadeln, die sie einer Dame abgeschaut hatte, deren Namen sie vergessen hatte, sobald er keine Verwendung mehr fand. Sie kannte die Namen aller Diener, die Dienstzeiten der Wachen, die Routen der Kuriere zwischen Karanthor und den südlichen Vasallenstädten, den jährlichen Krebsgang der Laune des Königs sowie jene Stunden des Tages, in denen Königin Isolde Stennach allein im hinteren Salon saß und Briefe las, deren Herkunft sie niemanden zu fragen pflegte.

Dies letzte Wissen war das wertvollste — nicht weil Hedwig je einen dieser Briefe gelesen hatte, sondern weil sie die Gewohnheit der Einsamkeit registriert hatte, lange bevor sie verstand, was eine solche Gewohnheit bedeutete.

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Chapter 9: Hedwig and the Queen's Confidences — Das Erbe des Eisernen Stuhls | GenNovel