Der Archivar hieß Pewold, war klein und trug eine Brille mit einem gesprungenen Glas auf der linken Seite, durch welches er dennoch zu sehen schien, vielleicht weil die Gewohnheit des Sehens bei einem Menschen, der dreißig Jahre unter Urkunden verbracht hatte, die Optik ersetzte. Er empfing Eddard von Steinmark mit der stillen Beflissenheit eines Mannes, der Besucher in dieser Jahrzehnte langen Stille als seltene und nicht durchweg willkommene Erscheinungen betrachtete.
Das Archiv des Königshauses lag in den Unterbauten des Verwaltungsflügels, drei Treppen unter dem Niveau der großen Korridore, und hier hatte die prächtige Gleichgültigkeit Goldenhalls keinen Zutritt gefunden. Die Decken waren niedrig, die Wände von der feuchtwarmen Atemluft unzähliger Pergamentbündel leicht beschlagen, und die Luft roch nach Bienenwachs und dem eigentümlich süßlichen Verfall alten Leders. Eddard, der sein ganzes Erwachsenenleben in nüchternen, zweckmäßig eingerichteten Räumen zugebracht hatte, empfand die Enge hier als vertraut auf eine Art, die er sich hätte erklären können, wenn er es darauf angehalten hätte.
Er hatte es nicht darauf angelegt. Er war in seiner Eigenschaft als Erster Ratgeber des Königs hier, um Einsicht in die Nachfolgedokumente zu nehmen, ein Anliegen, das er als selbstverständlich betrachtete, da man ein Amt kaum sinnvoll ausüben konnte, ohne die dynastischen Grundlagen zu kennen, auf welchen es ruhte. Das Schreiben, das ihm den Zutritt gewährt hatte, trug das Siegel des Zeremonienmeisteramts und war ohne besondere Verzögerung ausgestellt worden, was ihm ebenfalls selbstverständlich erschienen war.
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