Chapter Five: What Aldric Chooses Not to Hear

Das Ersuchen um Privataudienz wurde noch am selben Morgen genehmigt, mit einer Geschwindigkeit, die Eddard fast beschämt hätte, wenn er die Zeit gehabt hätte, darüber nachzudenken. Der Zeremonienmeister schickte einen Pagen in steinmarkblauer Livree — eine Aufmerksamkeit, die er bemerkte und als das abtat, was sie war: ein weiteres sorgfältig konstruiertes Detail jener architektonischen Freundlichkeit, die Goldenhall anstelle von echter Wärme anbot. Eddard wusch sich das Gesicht, glättete den Waffenrock, und saß dann zwanzig Minuten lang am Schreibtisch, ohne etwas zu tun. Er hatte keine Notizen gemacht. Alles, was er zu sagen hatte, lag in seinem Gedächtnis so klar wie ein Grundriß, und er mißtraute Papier in diesen Gemächern auf eine Weise, die ihm erst in diesem Augenblick bewußt wurde.

Die Gemächer des Königs lagen im Westflügel, zwei Stockwerke über dem Niveau, auf dem das öffentliche Leben des Hofes sich vollzog. Der Korridor, durch den der Page ihn führte, war breiter als die übrigen und mit einem Teppich belegt, dessen tiefkarmesinrotes Muster einen fortlaufenden Greifenfries zeigte, Tier für Tier, das sich in den Schwanz des vorangehenden biß. Eddard hatte diese Symbolik bereits im Speisesaal studiert und fand sie nun zu Füßen neu bestätigt: ein Hof, der seine Dekorationen wählte wie andere Männer ihre Argumente.

König Aldric empfing ihn nicht im Staatsgemach, sondern in einem kleineren Raum dahinter, dem sogenannten Winterkabinett, das nach Süden lag und um diese Stunde im blassen Januarlicht lag wie ein aquarellierter Entwurf seiner selbst. Ein Tisch mit zwei Stühlen, ein Kaminfeuer, das mehr Wärme andeutete als erzeugte, und auf dem Tisch eine Karaffe Wein, die man offensichtlich bereits kurz nach dem Frühstück dorthin gestellt hatte. Aldric stand beim Fenster, als Eddard eintrat, und drehte sich mit jener Bewegung um, die bei ihm immer wie eine Befreiung gewirkt hatte — als wäre das Gespräch, das nun beginnen würde, das erste an diesem Tag, auf das er sich gefreut hatte.

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Chapter Five: What Aldric Chooses Not to Hear — Das Erbe des Adlers: Chronik des Hauses Steinmark | GenNovel