Der Morgen des achtzehnten Grundeistages brach über Goldenhall mit jener farblosen Klarheit herein, die man in südlichen Landen als Schönwetter bezeichnet und die Eddard von Steinmark zeitlebens als die kälteste Art des Lichts empfunden hatte — nicht weil sie keine Wärme enthielt, sondern weil sie versprach, was sie nicht halten konnte.
Der Lehrjunge des Bäckers Horm, ein Junge namens Pessel, vierzehn Jahre alt und seit drei Wochen in der Hauptstadt, hatte den Auftrag erhalten, zwei Dutzend Brötchen vor der sechsten Stunde an den Nordeingang des Platzes zu liefern, für die Kronwald-Garde, die dort Aufstellung nehmen würde. Er trug den Korb auf dem Rücken und drängte sich durch die Menge, die sich bereits um diese frühe Stunde gebildet hatte, nicht aus eigenem Antrieb, wie er später seiner Mutter in einem Brief beschreiben würde, sondern weil die Leute so standen, als hätten die Gassen selbst sie dorthin geleitet. Es war ein Unterschied, das spürte er, zwischen einer Menge, die sich zu einem Schauspiel versammelt, und einer Menge, die sich vorfindet — die mit einem leisen Erstaunen feststellt, daß sie da ist, daß alle anderen ebenfalls da sind, und daß man folglich bleiben wird.
Er kam nicht bis zum Nordeingang durch. Er stellte seinen Korb auf eine Mauerkante, stieg auf den Stein neben ihr und sah.
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