Es dauerte drei Nächte.
Die erste Nacht verbrachte er damit, die notwendigen Texte zu suchen — nicht in den Regalen, die Klara abstauben durfte, sondern in dem flachen Fach hinter dem losen Brett unterhalb des Fensterbankgesimses, wo er vor zwei Jahrzehnten jene Folianten untergebracht hatte, die er weder vernichten noch griffbereit haben wollte. Das Brett gab nach einem Ruck nach. Die Bücher lagen darin wie Tote in einem zu engen Sarg: Weyers Praestigiis Daemonum in der zensierten Ausgabe, eine handgeschriebene Abschrift eines Abschnitts aus Agrippa de occulta philosophia, dessen Original er sich niemals hatte leisten können, und ein drittes, dünneres Heft ohne Titel und ohne Einband, dessen Seiten er selbst mit einem System von Zeichen gefüllt hatte, das er jetzt nur noch mit Mühe entzifferte, weil er es in der Überzeugung angelegt hatte, es niemals wieder zu benutzen.
Er las bis gegen drei Uhr morgens. Dann schloß er alles wieder ein und verbrachte die verbleibenden Stunden bis zum Morgengrauen damit, am Schreibtisch zu sitzen und die Wand anzusehen.
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